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Die Perückensträucher im Jenaer Mühltal


Eigentlich sollte ich ja an dieser Stelle mal wieder etwas zu Theater, Film oder den ansonsten im Herbst reichlich besuchten Buchlesungen schreiben.
Da geht es mir aber nicht anders als euch in dieser Zeit. Glücklicherweise bleibt uns, wie oft in diesem Jahr, die Natur.
Heidi hatte in einem Magazin einen Bericht über die Perückensträucher an der Lutherkanzel oberhalb des Mühltals bei Jena gelesen. Jetzt Ende Oktober, Anfang November bietet sich hier ein besonderes Schauspiel. Die Perückensträucher leuchten mit ihrem roten Laub weit in das Tal hinein und verleihen dem Hang ein ganz besonderes Flair.
Also zieht euch die dickere Jacke an, wir haben hier nachts schon Minusgrade und tagsüber waren letztlich die Temperaturen im einstelligen Bereich. Folgt uns einfach auf der B7 in Richtung Jena. Über Apolda kommend, gleich am Ortseingang, erreicht ihr linker Hand das Mühltal, wo auch Parkmöglichkeit vorhanden ist.

Unsere Route führte von der Gasthausbrauerei Papiermühle zum Napoleonstein, vorbei am „Museum 1806“. Das Museum ist einem historischen Ereignis der europäischen Geschichte des 19. Jahrhundert gewidmet: der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt vom 14. Oktober 1806. Wir querten das Naturschutzgebiet Windknollen zurück zu unserem Ausgangspunkt Papiermühle. Es sind etwa 160 Höhenmeter zu bewältigen, welches mit festem Schuhwerk und Trittsicherheit kein Problem darstellen dürfte. Mit etwa 6 km Wegstrecke ist die Wanderung recht kurz aber es gibt tolle Ausblicke in einer sehr reizvollen Landschaft.
Möglicherweise ist die Farbenpracht durch die niedrigen Temperaturen schon Vergangenheit, trotzdem sollte sich der Ausflug lohnen oder merkt ihn euch einfach vor.

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Der Seeweg nach Indien


Bis der Seeweg nach Indien entdeckt wurde, gelangten Gewürze zu Land über Karawanenwege des Vorderen Orient nach Europa. Gewürze waren begehrt aber durch den Zwischenhandel und die riesigen Entfernungen teuer.
Heidi und ich kaufen eigentlich nur drei Gewürze im Handel: Zimt, Muskat und Pfeffer. Was wir ansonsten benötigen, haben wir in unserem Garten kultiviert. Salbei, Minze, Oregano, Majoran, Thymian, Rosmarin und mehr gedeihen hier und sogar Lorbeer konnten wir vergangenes Jahr erfolgreich anziehen.
Weitere Gewürze entnehmen wir direkt aus der Natur. Da ist zum einen Beifuß, der steht an fast jedem Feldweg und muss nicht extra gesucht werden. Den nehmen wir bei passender Gelegenheit einfach mit und hängen ihm zum Trocknen auf. Dann gibt es aber noch den Wacholder. Um ihn zu ernten haben wir vor Jahren eine ertragreiche Stelle am Fuße von Schloss Tonndorf entdeckt. Das Schloss liegt von Weimar wie auch von Erfurt etwa 20 km entfernt in einer waldreichen Gegend unweit des Ilmtals und des Thüringer Waldes.
Das historische Gemäuer wird seit einigen Jahren durch eine bunte Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen bewohnt und bewirtschaftet. Ein Besuch im Café des Schlosses ist möglich.
Wir fahren immer durch den Ort Tonndorf, vorbei an den Steinkreuzen und parken oberhalb des dortigen Sportplatzes. Das Schloss ragt aus dem Wald heraus und ist schon von Weitem gut sichtbar. Unterhalb des Schlosses geht ein bequemer Weg zum historischen Rundlingsdorf Tiefengruben. Diesen benutzen wir dann auch und sammeln einen kleinen Vorrat der dunkelblauen Wacholderbeeren, welche rechter Hand am Waldrand reichlich wachsen.

Nun, warum verrate ich euch das? Handelte es sich um eine ertragreiche Stelle, wo jährlich reichlich Steinpilze zu finden sind, würde ich mein Wissen nicht so ausbreiten.
Es sind die „Härtesten“, die es sich antuen aus dem äußerst stacheligen Zweigen des Wacholders die kleinen Beeren zu pflücken.
Wir verwenden Wacholder ausschließlich als Gewürz in der Küche, besonders zu Wildgerichten lieben wir das Aroma.
Die Beeren sind auch Rohstoff bei der Herstellung einiger alkoholhaltiger Getränke wie: Gin, Genever oder Steinhäger. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es natürlich noch hervorragende Heilwirkungen des Wacholders.
Also keine Angst vor den stachligen Zweigen, ihr werdet sie sicher auch in eurer Nähe entdecken; versucht es mal!

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Eifel zu Fuß


Wir sind trotz der angrenzenden Risikogebiete, Belgien und Niederlande, in die Eifel gefahren! Das hatten wir schon für den Mai geplant, doch diesmal haben wir uns nicht durch das Corona-Chaos beirren lassen.
Untergekommen sind wir in Eicherscheid einem Ortsteil von Simmerath. Das war nicht unbedingt das Wunschziel, aber hier hatten wir günstig, im“ Haus Gertrud“, Quartier bekommen und wurden hervorragend verköstigt! Da wir mit dem Auto anreisen konnten, war das auch kein Problem. Normalerweise legen Heidi und ich so weite Strecken in öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, dies war aber hier keine zu empfehlende Option. Wir konnten jedoch mit Freunden im Auto mitfahren. So hat die ganze Reise auch Sinn für uns gemacht.
Das Wetter kann man sich ja nun mal nicht aussuchen, aber es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Kurzum, die Fotografen waren nicht ganz begeistert, doch die Wanderer kamen kaum ins Schwitzen und waren zufrieden. Wir haben bei angenehmen Wanderwetter 87 km zu Fuß zurückgelegt und am letzten Tag flohen wir, Sturm und Regen bedingt, nach Aachen.
Die Eifel ist mit 5.300 km² wohl das größte Mittelgebirge in Deutschland. Die meisten Berghöhen liegen so um die 500m, Ausnahme im westlichen Teil. Einzelne bis 700 m hohe Bergrücken wie Schneifel und Hohes Venn sind hier zu finden.
Wir liefen durch ausgedehnte Mischwälder, welche überwiegend durch Buchen und Eichen geprägt waren.
Die baumlosen Eifelhochflächen (um 500 m) östlich des Hohen Venns im Grenzland zu Belgien sind im Winter starken, eiskalten Westwinden ausgesetzt. Hier haben sich die Menschen schon in früher Zeit etwas Beeindruckendes einfallen lassen. Bis zu 300 Jahre alte und 8m hohe Buchenhecken schützen die Häuser vor diesen Unbilden.

altes Haus mit Hecke in Eicherscheid

Falls ihr Spaß an Natur und Wandern habt, besorgt euch den Rother Wanderführer Eifel.
Mit Hilfe dieses Taschenbuches waren wir eine Woche ohne Irrungen und Wirrungen unterwegs. Die Wanderwege im Nationalpark sind hervorragend gekennzeichnet und stimmen auf Punkt und Komma mit den Routen im von mir empfohlenen Büchlein überein.
Nun hoffe ich, ihr kommt aus keinem Risikogebiet und findet wie wir freundliche Aufnahme bei leckerer deutscher Hausmannskost.

Das malerische Monschau in der Eifel, Drehort des TV-Mehrteilers Eifelpraxis und manch anderer Filme.

Unterwegs im herbstlichen Nationalpark Eifel

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Nach Singen in die Pilze


So etwa eine Autostunde von unserem zu Hause, liegt am Rande des Thüringer Beckens unweit des Thüringer Waldes, das beschauliche Örtchen „Singen“. Es leben dort etwa 500 Menschen in idyllische Umgebung. Es gibt eine Kirche, ein Gasthaus, einen Sportplatz, den Dorfteich und die wohl kleinste Brauerei Deutschlands. Hin und wieder hält auch ein Zug am Bahnhof Singen.

Jedes Jahr sind wir etwa viermal in diesem kleinen Ort. Anfang Juli sammeln Heidi und ich Heidelbeeren, die wir einfrieren und im Winter zu leckeren Kuchen verarbeiten. Das ist schon ein etwas mühsames Unterfangen . In den letzten Jahren haben wir niemanden getroffen, der es uns gleich getan hätte. Lediglich Evchen und Randolf lassen sich manchmal animieren.
Im September und Oktober ist dann Pilze sammeln angesagt. Auch hierbei sind wir meist allein im Wald. Hierfür gibt es mittlerweile Apps fürs Smartphone. Aber Vorsicht ist trotzdem geboten. Man sollte schon wissen, was da so im Korb landet.

Hier der Werdegang unserer Ausbeute vom letzten Dienstag in bildlicher Darstellung.
Ich dünste die Pilze etwa 15 Minuten bei geringer Hitze. Dazu wird in einen ausreichend großen Topf wenig Wasser, so dass der Boden etwa 2mm bedeckt ist, gegeben. Häufiges Rühren verhindert das Ansetzen am Topfboden. Die Pilze geben genügend Wasser ab. Die Beutel sind mit etwa 400gr gefüllt und wandern nach dem Abkühlen im Gefrierschrank.
Falls ihr euer Homeoffice zu einer solchen Exkursion nutzen wollt, im Singerwald ist „G4“ Netz vorhanden!

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Eine Hängebrücke und viel Vergangenheit


Mit Freunden hatten wir uns eine Wanderroute in eines der ältesten deutschen Siedlungsgebiete ausgewählt. Eigentlich hätten wir schon einige Tage früher aufbrechen wollen, aber das Wetter spielte nicht so richtig mit. Der folgende Sonntag war dann genau richtig. Angenehme Temperaturen und herrliches Herbstwetter bescherten uns einen schönen und erlebnisreichen Tag.
Unser Ziel war eigentlich Memleben! Kennt ihr nicht? Sehr erstaunlich, solltet ihr unbedingt!
Hier befand sich eine Kaiserpfalz von Otto dem Großen, gleichzeitig sein Sterbeort, wie auch der Sterbeort König Heinrichs 1.   Noch heute befinden sich hier atemberaubende, architektonische Zeugnisse einer mittelalterlichen Klosteranlage.
Sicher habt ihr schon von der Himmelsscheibe von Nebra gehört. Vor etwa 4000 Jahren wurde sie geschaffen und durch Raubgräber hier im Jahre 1999 Inmitten eines dichten Waldes  gefunden. Ebenfalls ganz in der Nähe befindet sich das Fürstengrab von Leubingen, dass zwischen 2200 und 1600 v. Chr. datiert. Ich hoffe, ich habe die Bedeutung unseres angepeilten Zielgebietes verdeutlichen können.
Unser ursprünglicher Plan entlang des Bärentals etwa 10km zu wandern und danach Kloster Memleben zu besuchen, wurde durch eine einige Tage zuvor verbreitete Meldung in den Medien tangiert:
…In der Hohen Schrecke bei Braunsroda im Kyffhäuserkreis ist eine Hängeseilbrücke eröffnet worden. Sie ist 176 Meter lang und erstreckt sich auf 25 Metern Höhe über das Bärental. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) zeigte sich überzeugt, dass die Brücke „Strahlkraft weit über die Hohe Schrecke hinaus“ hat. Sie sei eine Einladung, die Naturschätze zu entdecken und deren Wert zu verstehen. …
Also wurde unser Programm entsprechend angepasst.
Nun – diese Brücke hat keinen praktischen Wert, zum Beispiel für Land- oder Forstwirtschaft. Sie hat einzig den Zweck Freude an der Natur zu wecken. Und siehe da, Frau Ministerin hatte Recht! Die Brücke entfaltet gleich nach der Eröffnung ihre „Strahlkraft“. Eine gewaltige Kolonne von PKW näherte sich dem verschlafenem Örtchen Braunsroda und es begann die Suche nach einem geeigneten Parkplatz.
So gab es erneut eine Berichterstattung in den Medien unter dem Tenor:
… Frust an der Hohen Schrecke: Nach dem Parkchaos der ersten Wochen soll der Verkehr in Braunsroda in geordnete Bahnen gelenkt werden. Massive Kritik besteht auch an fehlender touristischer Infrastruktur. ..- Blockierte Zufahrten, mangelnde Beschilderung, fehlende Abfalleimer, die Anfahrtsstraße einseitig zugeparkt – seit zwei Wochen ist der Frust in Braunsroda groß über das Chaos, das die frisch eröffnete Hängeseilbrücke in den Ort bringt. Und um ohne Umweg zum Wald zu gelangen, wird einfach übers Feld getrampelt. Kein Wunder, dass manchem Einwohner schon der Kragen platzte. Schon bei den Planungen des Projekts fühlten sich die Braunsrodaer außen vor. ..
Ich glaube, Frau Siegesmund, es wird in Thüringen wieder nur ein einstelliges Wahlergebnis?

Da unsere Absichten, durch die nun fertiggestellte Hängebrücke zeitlich etwas in Bedrängnis kamen, nutzten wir das Auto um nach Memleben zu gelangen.
Die genaue Lage und Abmessung der Kaiserpfalz ist bisher nicht bekannt, doch stehen von der Monumentalkirche des 10. Jahrhunderts noch einige Mauerteile . Während des Bauernkrieges wurde 1525 das Kloster von aufständischen Bauern geplündert, 1548 nach zunehmendem Niedergang infolge der Reformation endgültig aufgehoben.  In den weiteren Jahren wurde es bis zur Wende meist landwirtschaftlich genutzt. Die alte Klosteranlage wurde in den letzten Jahren aufwändig saniert und steht für verschiedenste Anlässe wie Ausstellungen, Seminare, Übernachtungen sogar Hochzeiten zur Verfügung.
(Mit Klick könnt ihr die Bilder vergrößert als Diashow sehen)