Veröffentlicht in Gesellschaft, Humor, Kultur & Veranstaltungen, Kunst, Literatur

Spill the Beans


Wir lieben ja die Kleinkunstbühnen hier in der Stadt und davon gibt es einige. Nur zehn Minuten von unserem zu Hause entfernt, erfreut sich das „Franz Mehlhose“ großer Beliebtheit. Da wir bei unserem letzten Besuch einen Gutschein gewonnen hatten, suchten wir schon eine Weile nach einer passenden Veranstaltung, um selbigen einzulösen. „Poetry-Slam“ stand auf dem Plan und wir hofften auf einen unterhaltsamen Abend. Was aber ein Dichterwettstreit, so etwa die Übersetzung, mit verschütteten Bohnen (Spill the Beans) zu tuen hat, erschloss sich uns nicht.
Sicher seid ihr da besser als ich, aber dank „Google“ ist die Wissenslücke nun geschlossen.
Wir hatten Evchen und Randolf noch überzeugt mit uns zu kommen und so war die Veranstaltung nicht nur ausverkauft, sondern durch unsere Teilnahme stieg das Durchschnittsalter der Besucher von zwei Jahre bis zur Masterarbeit auf drei Jahre nach Masterabschluss!
Diese Veranstaltungsform verbreitete sich ausgehend von Chicago in den 90er Jahren über den gesamten Globus und generierte im deutschsprachigem Raum eine zahlreiche Anhängerschaft.
Es gab drei Paarungen und eine Publikumsjury bewertete die maximal sechs Minuten dauernden Beiträge, ähnlich wie beim Eiskunstlaufen. Die drei siegreichen Teilnehmer traten nach der Pause zum Finale an.
Im „Mehlhose“ treten weder „A- B-oder C-Promis“ auf. Die Teilnehmer reisten zum Beispiel mit „FlixBus“ an. Die Gagen sind nicht üppig aber die Eintrittspreise auch nicht.
Als Gast erlebten wir übrigens Falk, Musikkabarettist und Liedermacher aus Berlin.
Eine Hommage an die deutsche Sprache im Lied. (Video)

Solltet ihr einmal hier nach Erfurt kommen und ihr habt den Abend noch nicht total verplant, im „Mehlhose“ werdet ihr auch satt und könnt natürlich durch die nette Bedienung einen coolen Drink serviert bekommen. Vielleicht lernt ihr nette Leute kennen und habt Glück ein Kulturprogramm zu erleben.
Das Lokal ist vom Zentrum der Stadt gut zu Fuß erreichbar.
Löberstraße 12, 99084 Erfurt
Noch ein Tipp: Poetry Slam – die deutschsprachigen Meisterschaften U2019 finden in Erfurt statt! ( 2. bis 5. Oktober 2019 )
Falls ihr noch keine rechte Vorstellung habt was euch bei einem „Poetry-Slam“ so erwartet, dann schaut mal den nächste Clip an. Luise Komma Klar war die Gewinnerin an diesem Abend!
In diesem Sinne, spill the Beans oder leg mal los, erzähl mal, wie der Deutsche sagen würde!

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Veröffentlicht in Familie, Gesellschaft, Literatur

Porvenir (ES)


Porvenir ist ein kleiner Ort in Spanien, in dem nach hundert Jahren das Postamt geschlossen werden soll. Sara ist die einzige hier noch tätige Person, die regelmäßig die wenige Post, die für die Menschen im Dorf bestimmt ist, zuverlässig bei Wind und Wetter zustellt.
„Wer braucht denn noch eine Briefträgerin in einer Welt, in der keine Briefe mehr geschrieben werde ?“, sagte Sara.
Da hat ihre Nachbarin, die achtzigjährige Rosa, die Idee mit einer Art Kettenbrief das Postaufkommen des kleinen Ortes unübersehbar zu steigern. So hofft sie das Postamt und Sahras Arbeitsplatz zu retten.

Ángeles Doñate,  in Barcelona geborene Schriftstellerin, gelingt mit ihrem ersten in Deutschland erschienen Buch: „Der schönste Grund, Briefe zu schreiben“,  eine überzeugende Hommage an den von Hand geschriebenen Brief.
Nachdem Heidi mir das Buch empfohlen hatte, kam mir Susan zuvor und nun bin ich fast auf der letzten Seite.
Ich brauche immer etwas länger, da ich mit Betonung und passenden Kostümen lese. Dadurch wurde eine Verlängerung des Ausleihtermins in der Bücherei notwendig.
Wenn ihr einfach etwas entspannendes lesen möchtet, so findet ihr viele alltägliche Geschichten, die auch die euren seien könnten.
Natürlich wollte ich als passionierter Spanienreisender wissen, wo der Ort
Porvenir zu finden ist. Ich fand ihn gleich mehrmals, in Bolivien, Chile, Argentinien und Uruguay . Weshalb aber nicht in Spanien?
El Porvenir bedeutet im Spanischen auch die Zukunft. Darum ging es ja letztlich auch in diesem Roman, die Zukunft der Briefzustellerin und dem Postamt ihres Heimatortes.
Dabei entdeckten die Menschen in ihren Bemühungen Hilfe zu leisten, welches Kulturgut ihnen durch unsere vermeintlichen Errungenschaften schon fast abhanden gekommen ist, der von Hand geschriebene Brief.
„Niemals würde eine Träne eine E-Mail verwischen“
Dieses Zitat des Nobelpreisträgers Jose Saramages fungiert als Leitgedanke dieses Romans.



Veröffentlicht in Advent, Familie, Gesellschaft, Jahreswechsel, Kinder, Literatur, Weihnachten

Lest doch mal wieder!


Ich liebe es zu lesen. Besonders in der Weihnachtszeit verbrachten wir als Kinder viele Nachmittage damit Geschichten zu hören, die Eltern oder Großeltern aus bereits abgegriffenen Büchern zu Gehör brachten.
Mit Beginn der Schulzeit fanden meine Geschwister und ich auch regelmäßig Bücher unter dem Weihnachtsbaum. Später nahm mich mein Großvater mit in eine Leihbücherei, wo ich manche spannende Lektüre fand. Heute versorgt uns Heidi mit Literatur aus der Stadtbibliothek, besonders beeindruckende Textpassagen liest sie mir auch hin und wieder vor.
In bleibender Erinnerung sind mir zwei Weihnachtsgeschichten geblieben, von Peter Rosegger „Als ich Christfreude holen ging“ und von O. Henry „The Gift of the Magi“ (Das Geschenk der Weisen). Ich habe sie immer wieder gelesen und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich mich auch in diesem Jahr dieser Lektüre widme.

Erfurt Marktstraße Kinder-und Jugendbibliothek

Was ihr im Bild seht nennt sich Theatrum Mundi-Welttheater. Zu sehen sind hier Szenen aus der Irrfahrt des Odysseus. Vorausgesetzt ihr werft, ich glaube einen Euro, in den Zahlschlitz.
Als sparsame, um nicht zu sagen geizige Touristen, könnt ihr natürlich warten bis ein Neugieriger sein Geld einwirft. Dann ist noch genug Platz um kostenlos dem Schauspiel beizuwohnen. (Ich habe das schon des Öfteren beobachtet.)
Diese zauberhafte Märchenwelt wurde vom Puppenbauer Martin Gobsch geschaffen. Es gibt auch noch eine zweite Geschichte, welche ihr auf der Krämerbrücke bestaunen könnt.
Eigentlich wollte ich ja zum Lesen animieren. Da bietet sich ja für weihnachtliche und nicht nur solche Stunden, neuerdings das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ an. Das heißt „neuerdings“ ist ja nun auch nicht richtig.
Also empfehlen möchte ich dann doch lieber die alten Märchenbücher. Der Name sagt ja schon, hier stehen Märchen drin und die sind oft näher an der Realität als die journalistischen Glanzstücke mancher gegenwärtiger Medien.
Dann mal eine schöne Weihnachtzeit und ein neues Jahr, welches eure Wünsche in jeder Hinsicht berücksichtigt. Nicht vergessen, ihr wolltet doch endlich das Buch vom vorigen Weihnachtsfest lesen.

Veröffentlicht in Gesellschaft, Humor, Kultur & Veranstaltungen, Kunst, Literatur

Da hatten wir wohl die richtige Entscheidung getroffen!


Sonnabends gehen wir fast immer zum Markt auf dem Domplatz. Dabei geht es nicht vorrangig um die Lösung von Versorgungsfragen, es ist so ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Handels; Erwerb von Dingen für Küche und Haushalt ohne Account bei Amazon, bezahlbar sofort mit Geld aus dem Portmonee.
Dabei führt uns unser Spaziergang immer an drei Kleinkunstbühnen vorbei und das sind beileibe nicht alle hier in der Stadt. Die erste Adresse, die wir passieren, ist das oder die “Mehlhose” in der Löberstraße 12. Es stehen nur noch wenige der ehemaligen alten Häuser dieser Straße und besagtes dient also nun kleineren Veranstaltungen für ein buntes Publikum. Die hier auftretenden Künstler haben noch nie eine Einladung zu einer der zahlreichen Talkshows der ARD  gehabt. Entweder wird man durch Mundpropaganda zum Erwerb einer Eintrittskarte animiert oder ein Blick auf das Programm macht einen neugierig.
“Lesen für Bier” stand auf dem Programm! Das wollten wir nun endlich einmal genau wissen. Heidi besorgte Karten und ließ sich vorher den Programmablauf erklären.
Die Lesen-für-Bier-Regeln sind einfach: Friedrich Herrmann und sein Gast Flemming Witt lesen, was auch immer mitgebracht wird. Ob alte Liebesbriefe, die Menükarte eures Lieblingsdöners oder Sartre – eben Texte aller Art.
Nach jedem Vortrag entscheidet der Applaus, ob der Text oder die Performance besser war. Hat die Performance überzeugt, geht das Bier an die Lesenden auf der Bühne. War der Text besser, erhält der Besucher das Bier, der den Text zur Verfügung gestellt hat.
Das kann schon recht lustig werden! So wurde uns die Einleitung zur Gebrauchsanweisung der Nähmaschine “VERITAS” aus dem Jahr 1967 verständlich und ohne Anglizismen zu Gehör gebracht. Ein durch männliche Demonstration unterstützter Vortrag , “Anleitung zur selbständigen Brustuntersuchung der Frau”, fand auch bei den Herren viel Beachtung und entsprechenden Applaus.
Eine Kindergärtnerin hatte einen eigenen Text aus ihrem Berufsalltag verfasst.
Jeder konnte auch Wünsche zur Art der Präsentation des Textes äußern und die Protagonisten bemühten sich um entsprechende Umsetzung.
bmd
Als ich unseren Text überreichte, bat ich Flemming Witt dem Ganzen eine Hörsaalatmosphäre zu verpassen und den wissenschaftlichen Anspruch der Thesen zu unterstreichen.
“Zur soziologischen Psychologie der Löcher” ist eine Satire aus dem Jahre 1931 von Kurt Tucholsky. Der Vortrag war gut und mit Enthusiasmus wie Überzeugungskraft vorgetragen. Doch das vorwiegend recht junge Publikum wählte den Text! So kam ich zu einem Bier und Tucholsky zu Ehren. Die Jungs auf der Bühne mussten aber nicht verdursten, es gab noch genügend Texte, wo die Performance den Text übertraf.
Letztlich folgte nach etwa zweieinhalb Stunden eine Endauswertung über den besten Text.
Gewinner war Tucholsky mit seiner tiefsinnigen Auseinandersetzung über das Loch und dessen Plural die Löcher!
So bin ich auch noch in den Besitz eines Gutscheins von 20€, einzulösen im “FRANZ MEHLHOSE”, gelangt.
Sehr verehrter Kurt Tucholsky,
irgendwie ist mir die Sache etwas peinlich. Es ist ja eigentlich nicht mein Verdienst. Nun- ich mache jetzt erst einmal Ferien. Falls Sie meinen Text hier lesen, den Gutschein würde ich Ihnen gerne überlassen. MfG Ihr S.W.
(Das Video ist leider nicht sehr gut aber der Vortrag, damit ihr wisst  über was ich hier überhaupt geschrieben habe)

Veröffentlicht in Fotos, Gesellschaft, Kultur & Veranstaltungen, Literatur, Ostern, Wandern

Ostern


Man kann sich auf nichts mehr verlassen, dachte  ein Hausbesitzer in unserer Nachbarschaft und schuf sich seine eigene Flora und Fauna. Leider auch hier kein Frühling  (ich wollte es nur mal gezeigt haben).
Trotz allem, er kommt ganz bestimmt, der Lenz! Dann erinnert ihr euch möglicherweise an nachstehenden Vers.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück…

Naja, habt ihr irgendwann vielleicht mal auswendig lernen müssen, natürlich in ganzer Länge, wobei der Spaß sich wahrscheinlich in Grenzen hielt.
Eigentlich handelt es sich hier um einen Monolog aus Goethes “Faust”. Eine bunte Truppe von Handwerkern, Bürgern, Mädchen, Schülern auch ein Bettler ziehen hinaus aus der Stadt.
Die so unterschiedlichen Menschen befinden sich in angeregter Unterhaltung. Da spricht einer der Bürgersleute folgenden Satz:
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.
Da erübrigt sich jeder Kommentar. Bemerkt sei nur:  “Faust 1”  erschienen 1808, also vor210 Jahren!
Daran solltet ihr bei eurem Osterspaziergang nicht unbedingt denken, aber interessant ist das schon.
Wir haben noch keinen Plan wohin. Der Wetterbericht wird uns bei der Entscheidung sicher behilflich sein. Was immer ihr unternehmt, schönes Wetter und frohe Ostertage für euch.
Buchfahrt (29)
Nach Buchfahrt wäre so eine Möglichkeit. Hier verläuft der Goethewanderweg.  Da wären wir dem Meister sehr nahe.
1Frühling (16)
Hier in Hohenfelden sind wir häufig. Es handelt sich um ein Freilichtmuseum was sehr sehenswert ist und auch Oscar und Fritz immer wieder begeistert.
Hohenfelden01
Dort wachsen auch die seltenen Adonisröschen.
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