Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik

Mein Gott, schon wieder 30Jahre vergangen!


Etwa 30% der Deutschen haben den denkwürdigen 9. November 1989 gar nicht miterlebt! Sie hatten schlicht weg das Licht der Welt noch nicht erblickt.
Ich glaube kein historisches Ereignis der deutschen Geschichte erfuhr eine dermaßen gewaltige Aufbereitung durch Medien, Politiker und Historiker wie eben dieser eine Tag, der seinen Höhepunkt in den Worten des Herrn Schabowskis: …nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich…fand.
Am 1.Januar 1992 wurde der MDR als weitere Sendeanstalt der ARD gegründet. Seither ist er vornehmlich mit Berichten über die Zeit vor und die nach dem Mauerfall befasst und dies fast täglich.
Jeder Stein wurde umgedreht, die Schuldigen entlarvt, die Helden geehrt, die Ursachen ergründet. Kurzum, wir wissen heute alles was zu diesem denkwürdigen Tag geführt hat.
Nur eine Frage blieb trotz aller Bemühungen ungeklärt!
Wie tickt der „Ossi“ und warum tickt er wie er tickt?
Diese Frage bringt in der Googlesuche ungefähr 57.700 Ergebnisse in (0,37 Sekunden).
Da kann doch nicht davon gesprochen werden, es handle sich um Pille Palle, eine Bagatelle!
Spiegel, Cicero, Welt, Deutschlandfunk um nur einige zu erwähnen, widmeten sich bereits einigermaßen erfolglos diesem Thema.
Im Zeichen, der nun sich zum 30. male jährenden denkwürdigen Ereignisse, lässt kein Medium die Gelegenheit verstreichen, sich in mehr oder weniger überzeugender Weise zu äußern, was ich ausnahmsweise heute auch mal tue.
Immerhin stellt der Glücksatlas 2019 fest: Die Thüringer sind das zufriedenste Bundesland im Osten! Das lässt doch hoffen!
Irgendwann, ich bin mir da sehr sicher, ist der Begriff „Ossi“ oder „Wessi“ verschwunden“, wie auch der Negerkuss, der Mohrenkopf und das Zigeunerschnitzel im Sprachgebrauch getilgt sind.

Quelle: Glücksatlas Deutsche Post
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Eine Hängebrücke und viel Vergangenheit


Mit Freunden hatten wir uns eine Wanderroute in eines der ältesten deutschen Siedlungsgebiete ausgewählt. Eigentlich hätten wir schon einige Tage früher aufbrechen wollen, aber das Wetter spielte nicht so richtig mit. Der folgende Sonntag war dann genau richtig. Angenehme Temperaturen und herrliches Herbstwetter bescherten uns einen schönen und erlebnisreichen Tag.
Unser Ziel war eigentlich Memleben! Kennt ihr nicht? Sehr erstaunlich, solltet ihr unbedingt!
Hier befand sich eine Kaiserpfalz von Otto dem Großen, gleichzeitig sein Sterbeort, wie auch der Sterbeort König Heinrichs 1.   Noch heute befinden sich hier atemberaubende, architektonische Zeugnisse einer mittelalterlichen Klosteranlage.
Sicher habt ihr schon von der Himmelsscheibe von Nebra gehört. Vor etwa 4000 Jahren wurde sie geschaffen und durch Raubgräber hier im Jahre 1999 Inmitten eines dichten Waldes  gefunden. Ebenfalls ganz in der Nähe befindet sich das Fürstengrab von Leubingen, dass zwischen 2200 und 1600 v. Chr. datiert. Ich hoffe, ich habe die Bedeutung unseres angepeilten Zielgebietes verdeutlichen können.
Unser ursprünglicher Plan entlang des Bärentals etwa 10km zu wandern und danach Kloster Memleben zu besuchen, wurde durch eine einige Tage zuvor verbreitete Meldung in den Medien tangiert:
…In der Hohen Schrecke bei Braunsroda im Kyffhäuserkreis ist eine Hängeseilbrücke eröffnet worden. Sie ist 176 Meter lang und erstreckt sich auf 25 Metern Höhe über das Bärental. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) zeigte sich überzeugt, dass die Brücke „Strahlkraft weit über die Hohe Schrecke hinaus“ hat. Sie sei eine Einladung, die Naturschätze zu entdecken und deren Wert zu verstehen. …
Also wurde unser Programm entsprechend angepasst.
Nun – diese Brücke hat keinen praktischen Wert, zum Beispiel für Land- oder Forstwirtschaft. Sie hat einzig den Zweck Freude an der Natur zu wecken. Und siehe da, Frau Ministerin hatte Recht! Die Brücke entfaltet gleich nach der Eröffnung ihre „Strahlkraft“. Eine gewaltige Kolonne von PKW näherte sich dem verschlafenem Örtchen Braunsroda und es begann die Suche nach einem geeigneten Parkplatz.
So gab es erneut eine Berichterstattung in den Medien unter dem Tenor:
… Frust an der Hohen Schrecke: Nach dem Parkchaos der ersten Wochen soll der Verkehr in Braunsroda in geordnete Bahnen gelenkt werden. Massive Kritik besteht auch an fehlender touristischer Infrastruktur. ..- Blockierte Zufahrten, mangelnde Beschilderung, fehlende Abfalleimer, die Anfahrtsstraße einseitig zugeparkt – seit zwei Wochen ist der Frust in Braunsroda groß über das Chaos, das die frisch eröffnete Hängeseilbrücke in den Ort bringt. Und um ohne Umweg zum Wald zu gelangen, wird einfach übers Feld getrampelt. Kein Wunder, dass manchem Einwohner schon der Kragen platzte. Schon bei den Planungen des Projekts fühlten sich die Braunsrodaer außen vor. ..
Ich glaube, Frau Siegesmund, es wird in Thüringen wieder nur ein einstelliges Wahlergebnis?

Da unsere Absichten, durch die nun fertiggestellte Hängebrücke zeitlich etwas in Bedrängnis kamen, nutzten wir das Auto um nach Memleben zu gelangen.
Die genaue Lage und Abmessung der Kaiserpfalz ist bisher nicht bekannt, doch stehen von der Monumentalkirche des 10. Jahrhunderts noch einige Mauerteile . Während des Bauernkrieges wurde 1525 das Kloster von aufständischen Bauern geplündert, 1548 nach zunehmendem Niedergang infolge der Reformation endgültig aufgehoben.  In den weiteren Jahren wurde es bis zur Wende meist landwirtschaftlich genutzt. Die alte Klosteranlage wurde in den letzten Jahren aufwändig saniert und steht für verschiedenste Anlässe wie Ausstellungen, Seminare, Übernachtungen sogar Hochzeiten zur Verfügung.
(Mit Klick könnt ihr die Bilder vergrößert als Diashow sehen)

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Paulina war die Siegerin!


Lisa Eckhart gewann, als erst zweite Frau, die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften und heute tourt sie als Kabarettistin durch den deutschsprachigen Raum und hat auch eine beachtliche Präsenz im Fernsehen.
Paulina Behrendt aus Hamburg ist neue deutschsprachige U20 Poetry Slam Meisterin geworden. Welchen Weg sie nun nehmen wird, bleibt abzuwarten. Die besten Slammer*innen (das schreibt man glaube ich jetzt so) aus der Schweiz, Österreich und Deutschland traten an, um einen der wichtigsten Titel im Poetry Slam zu ergattern. Innerhalb von 4 Tagen und 11 Veranstaltungen rappten, dichteten und performten die jungen Poeten*innen im Alter von 16 bis 20 Jahren über 3 Runden in ganz Erfurt gegeneinander.
Im proppenvollen historischen Kaisersaal zu Erfurt herrschte beste Stimmung und die Juroren, aus Zuschauern bestehend, die nicht immer die Meinung des Publikums zum Ausdruck brachten, lagen aber bei der Siegerin genau richtig, was durch den frenetischen Beifall unterstrichen wurde.
Die Themen, welche die Vorträge bestimmten, waren durchaus vielfältig, teils recht persönlich auch wenn sie humorvoll daherkamen, doch stets mit einem ernsthaften Hintergrund.
Die hiesige Presse hatte das Ereignis offenkundig nicht war genommen. Das verwundert nicht sonderlich, befindet sich der ehemalige Kultur Redakteur bereits im Ruhestand und verdient sich sonnabendlich durch eine Kolumne noch ein kleines Zubrot.
Damit ihr mal einen kleine Eindruck von der Siegerin gewinnen könnt, das folgende Video, welches aber nicht dem Vortrag im Finale entspricht.

Da wir nun schon einmal im Kaisersaal sind, lade ich euch gerne zu einem 360° Rundgang ein. Gönnt euch einige Minuten. Es lohnt sich wirklich:
Kaisersaal Erfurt Rundgang

Kaisersaal Erfurt
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Herbstzeit ist nicht nur Kürbiszeit


Laut Kalender haben wir nun nach einem langen, heißen und trockenem Sommer Herbst! Die Temperaturen ließen das bisher noch nicht vermuten, aber immerhin, einige spärliche Niederschläge gab es bereits.
Nun hoffen wir auf Nebelschwaden, bunte Wälder, Wind, der die letzten verbliebenen Blätter von den Bäumen reißt, Spinnennetze, in denen der Morgentau hängt und von Raureif überzogenen Wiesen.
Herbst ist für uns aber auch immer Zeit der kulturellen Erbauung.
Dies begann in den letzten Jahren meist mit der Kürbisaustellung auf der EGA. So nutzten wir das angenehme Wetter auch letzte Woche, um zu sehen welche Kunstwerke nicht nur zu Halloween aus Kürbissen entstehen können.
Der Kürbis ist aber auch ein genialer Grundstoff für eine leckere Kürbissuppe. Das hatte ich bereits vergangenes Jahr ausführlich beschrieben: Halloweensuppe.

Ich erwähnte es schon, Herbstzeit ist auch der Besuch aller möglichen kulturellen Veranstaltungen. So machten wir uns gemeinsam mit Evi und Randolf auf den Weg zur Ruine der Barfüßerkirche.
Die Barfüßerkirche gehörte bis zu ihrer Zerstörung durch einen Bombenangriff im Jahre 1944 zu den bedeutendsten Kirchenbauten Erfurts und zu den schönsten Bettelordenskirchen Deutschlands.  Seit einigen Jahren wird das zerstörte Langschiff im Sommer für Theateraufführungen genutzt.
Es gibt aber noch einen kleineren unversehrt gebliebenen Raum, die Annenkapelle. Heidi und ich hatten sie vor einiger Zeit rein zufällig entdeckt. Dadurch, dass sie auch für Veranstaltungen genutzt wird, konnten wir sie durch den Erwerb der Eintrittskarten für: „Erfurt in Licht und Schatten„, von innen studieren.
Wir erlebten eine unterhaltsame Zeitreise, die mit beeindruckenden Schattentheaterszenen 1200 Jahre Erfurter Geschichte humorvoll beleuchtete.

Damit aber noch nicht genug der kulturellen Aktivitäten. Vergangenen Sonntag waren wir im Rahmen der „JAZZMEILE THÜRINGEN“ mit guten Freunden im Waldhaus, einem im Jahre 1888 erbauten Ausflugsrestaurant, verabredet.
Hier erlebten wir Boogieman’s Friend. Wenn ihr wollt hört mal rein:

Nach einem guten Bier aus der hauseigenen Brauerei und einer Pizza, die ich mit Heidi teilte, begaben wir uns in Richtung Bismarckturm. Hier hörten wir noch eine Weile dem Peter Glessing Dixie Trio zu.
Als wir dann in unserem Garten zum Kaffee saßen, hatten wir etwa 10 km Fußweg absolviert. Hätten wir alle drei Spielorte aufgesucht ( Espach-Café ) wären wir auf weitere 5 km gekommen. Im Wandern zu den einzelnen Spielorten besteht der eigentliche Sinn der Veranstaltung (11. Erfurter Jazzwanderung). Also nicht nur berieseln lassen, selbst aktiv sein!

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HSK


Heidi und ich weilten einige Tage in einer Gegend, in der 90% der Autokennzeichen mit den Buchstaben „HSK“ begannen. Das steht für Hochsauerlandkreis. Dieser wird von der Ruhr und Lenne durchflossen, die beide bei Winterberg entspringen. Die restlichen 10% der Nummernschilder sind gelb und den zahlreichen Holländern zuzurechnen.
In Winterberg hatten wir Quartier bezogen. Von hier kann man das Rothaargebirge über gut ausgeschilderte Wanderwege erkunden.
Da wir lange Strecken meist mit der Bahn bewältigen, ist eine gute Anbindung an das öffentlich Verkehrsnetz uns besonders wichtig.
Winterbergs Bahnhof wurde 2018 übrigens zum „Bahnhof des Jahres“ gekürt. Leider ist er in diesem Jahr nur wenig genutzt, da wegen Bauarbeiten die Fahrgäste von Olsberg den Bus benutzen müssen. Der Vorteil für uns, der Bus endete nicht am Bahnhof und wir erreichten unser Hotel auf kurzem Weg, da wir bis Ortsmitte fahren konnten..
Das „AVITAL Resort“ ist ein ordentliches Hotel mit Hallenbad und Wellnessbereich, jedoch vier Sterne ist einer zu viel.
Wir hatten drei Wandertage eingeplant und hofften auf besseres Wetter als von den Metherologen vorhergesagt.
Die erste Tour von Winterberg zum „Kahlen Asten“ bescherte uns einen sonnigen Wandertag bei angenehmen Temperaturen. Mit 843,2 m ist er der dritthöchste Berg in dieser Region. Mit knapp 200 Höhenmetern und etwa 15Km hielten sich die Anstrengungen in Grenzen.
Unterwegs gab es Unmengen von Heidelbeeren. Ich glaube, die meisten Menschen sind der Auffassung sie könnten giftig sein. Außer uns bediente sich niemand der köstlichen Früchte.

Unsere zweite Tour führte uns durch den Schluchtenweg, entlang des Flüsschens Helle, vorbei an einer alten Wassermühle, dem Bodensee (habe mich nicht vertan, heißt wirklich so), der Wüstung Wernsdorf nach Elkeringshausen.
Wir hatten wieder eine Wegstrecke von etwa 15km zu absolvieren, nur waren die Steigungen diesmal auf dem Heimweg zu bewältigen.

Dieses Fachwerkhaus fanden wir in Elkeringshausen. Es ist eines der wenigen, wo die ursprüngliche Fassade und das Fachwerk nur gering verändert wurde. Wir hoffen das die gegenwärtige Sanierung denkmalgerecht erfolgt.

Am Sonntag lenkten wir, schließlich befanden wir uns im Ruhrgebiet, unsere Schritte in Richtung Ruhrquelle. Das Wetter hatte sich eingetrübt und hin und wieder fiel leichter Nieselregen. Das war aber kein Problem. Die Strecke betrug diesmal ja nur 10km und hatte kaum Steigungen.
Würde eurer Wasserhahn so sprudeln wie die Ruhrquelle, wäre das ein Fall für den Klempner.
Von der Ruhrquelle wanderten wir in Richtung des gleichnamigen Skigebietes und folgten nach einer kurzen Rast der alten Königsstraße nach Winterberg.

Habt ihr euch nach einem größeren oder kleinerem Ausflug frisch gemacht, solltet ihr unbedingt das Kaffeehaus Winterberg aufsuchen! Es handelt sich um ein 200 Jahre altes Gebäude mit gemütlichem Ambiente und worauf es letztlich ankommt: Tolle Kuchen und Torten!