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Wandmosaik von Josep Renau wieder fast am alten Platz


Am Moskauer Platz in Erfurt wurde am 7. Oktober 1984 (zum 35. Jahrestag der DDR) ein Kultur und Freizeitzentrum eröffnet. Es bildete den kulturellen Mittelpunkt des entstandenen Neubaugebietes.
Auf nahezu 21.000 m² fand sich ein reichhaltiges Angebot, verschiedenster Einrichtungen, wie ein Restaurant mit 321 Plätzen, eine Bier- und Weinstube, ein großzügiger Mehrzwecksaal und die größte Stadtteilbibliothek mit rund 50.000 Medien, Kegelbahn und mehre Gesellschaftsräume.
Mitte der 90er Jahre erfolgte die Schließung. Für derartigen Luxus war nach der eingezogenen neo-liberalen Lesart kein Budget vorzuhalten. Solche Objekte werden nach dieser Betrachtungsweise am besten gewinnbringend veräußert.
Mehrere Besitzerwechsel und damit verbundene Versuche zur Neunutzung schlugen fehl.
Nachdem die benachbarten Wohngebäude Moskauer Platz 2 bis 13 im Jahr 2007 abgerissen wurden, drohte dem Komplex das gleiche Schicksal. Der Abriss erfolgte dann 2012.
Das war tausendfache ostdeutsche Wirklichkeit, besonders in den 90er Jahren. Doch bei diesem Objekt gab es die Besonderheit, es handelte sich um ein monumentales Kunstwerk von internationaler Bedeutung.
»Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik« heißt das sieben mal 30 Meter große Wandbild des katalanischen Künstlers Josep Renau. Es entstand ab 1976 in Glasmosaiktechnik für das Kultur- und Freizeitzentrum am Moskauer Platz in Erfurt. Die Fertigstellung seines Mosaiks erlebte Renau nicht mehr, er starb am 11. Oktober 1982. Die Vollendung nach seinem Entwurf blieb seinen Schülern vorbehalten.
Das Wandbild wurde auf Initiative von Anwohnern, ehemaligen Schülern und Wegbegleitern sowie engagierten Denkmalpflegern unter Denkmalschutz gestellt, Ende 2009 wurde es abgenommen und eingelagert. „Es ist das letzte große Werk Renaus und eines der wichtigsten Werke der Moderne“, lautete das Urteil des Landeskonservators Holger Reinhardt.

So war das Ergebnis nach jahrelangem Leerstand.

Dank dieses Engagements kann das Mosaik seit dem 03. Dezember 2019 wieder besichtigt werden, was ich vergangene Woche tat. Die Finanzierung wurde durch die Wüstenrot Stiftung übernommen. Zum Bürgerfest anlässlich der Einweihung am 3. Dezember 2019 waren auch Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Oberbürgermeister Andreas Bausewein der Landeshauptstadt Erfurt anwesend.
Nun könnte man meinen „Ende gut, alles gut“.
Dann schaut euch mal in eurer näheren Umgebung etwas um. Welche Freibäder und Schwimmhallen wurden geschlossen oder stehen vor der Schließung. Seht mal nach den Problemen der Sporthallen oder der Schulen, da wo ihr zu Hause seid. Mehr Beispiele erspare ich mir an dieser Stelle.
Allein 2017 wurden in Deutschland 175 Schwimmbäder geschlossen, darunter 62 Freibäder (Quelle Tagesschau) Googelt ihr „Schließung Sporthallen Deutschland“ erhaltet ihr 221.000 Ergebnisse). Das macht nicht die Zahl der Hallen deutlich aber das Problem.
Wenn ihr wegen des Coronavirus das Haus nicht verlassen solltet, könnt ihr ja noch weiter googeln 😉

Die neugestaltete Vorhangfassade mit den Fliesen von J.Renau für 800.000€ finanziert durch die Wüstenrot Stiftung

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TRAS LA CRISIS DE TURINGIA


(Nach der Thüringer Krise, AKK schließt Merkelnachfolge aus.) So ein spanischer TV-Sender.

Eigentlich wollte ich zu diesem Thema meinen Senf für mich behalten. Doch nach diesem Aufmacher im spanischen TV sage ich doch ein paar Worte zum zänkischen Bergvolk in der Mitte Deutschlands (die Thüringer), zu denen ich im übrigen auch gehöre.
Wir leben hier in einer absolut ruhigen Wohngegend mit schönen Gründerzeithäusern, gepflegten Vorgärten, Parkanlagen, in denen die in letzter Zeit arg dezimierten Vögel, soweit noch vorhanden, bereits den nahenden Frühling verkünden.
Unsere räumliche Nähe zum Landtag, dieser ist in unser unmittelbares Wohnumfeld eingebettet, bringt neben der vorzüglichen Lage auch weitere Privilegien mit sich. So werden wöchentlich, wenn auch relativ geräuschintensiv, die Bürgersteige gereinigt und die Polizei zeigt eine Präsenz, die in Wohngebieten eigentlich unüblich ist. Es lebt sich hier nicht nur gut sondern auch sicher.
Letzte Woche wurde diese Idylle aber doch erheblich beeinträchtigt. Journalisten über Journalisten, jede Menge im Parkverbot abgestellte Fahrzeuge mit fremden Nummernschildern und in unserem Schlafzimmer konnten wir eine heftig zugeschlagene Tür im Fraktionsraum der CDU, nach einem Telefonat mit Entscheidungsträgern in der Hauptstadt vernehmen (So dicht leben wir nämlich am Geschehen).

Das hätte man als Uneingeweihter vermuten können (Bild oben), doch es ging diesmal nicht um eine solche Kuschelveranstaltung. Das ist ja selbst dem politisch völlig uninteressierten Bürger nicht verborgen geblieben.
Mittlerweile ist nun etwas Ruhe eingekehrt. Die Lichter im Verwaltungsgebäude des Landtages verlöschen wieder zur üblichen Zeit und die Parkordnung wird ebenfalls halbwegs eingehalten. Wie geht es nun weiter?
In einigen Wochen werden wir erneut Wahlen erleben und vermutlich gibt es ein Ergebnis, welches nicht alle zufrieden stellt, doch eine handlungsfähige Regierung beschert.
Falls das nicht eintreten sollte, gibt es weiterhin ratlose Politiker und mit Deutungsversuchen überforderte Journalisten wie Politikwissenschaftler, die in den reichlich ausgestrahlten Talkshows, ihr meist nicht lösungsorientiertes Wissen zum Besten geben.
Das Volk geht unterdessen seiner Arbeit nach, bringt die Kinder über das Wochenende zu den Großeltern, weil am neuen Häuschen noch so viel Arbeit wartet oder man besucht mit Freunden ein Konzert, auf welches man sich schon lange freute.
Anschließend in gemütlicher Runde bei einem Glas Wein zitiert doch dann jemand diesen Satz: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Habt ihr sicher auch schon gehört.
Der stammt übrigens von Joseph Marie de Maistre, französischer Schriftsteller sowie Diplomat, Staats- und Geschichtsphilosoph (1753 – 1821) (von mir gegoogelt).
Ich schlage vor, darüber denken wir nun mal gemeinsam nach! 😉
In diesem Sinne, eine unaufgeregte Woche und etwas Frühling.

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Mein Gott, schon wieder 30Jahre vergangen!


Etwa 30% der Deutschen haben den denkwürdigen 9. November 1989 gar nicht miterlebt! Sie hatten schlicht weg das Licht der Welt noch nicht erblickt.
Ich glaube kein historisches Ereignis der deutschen Geschichte erfuhr eine dermaßen gewaltige Aufbereitung durch Medien, Politiker und Historiker wie eben dieser eine Tag, der seinen Höhepunkt in den Worten des Herrn Schabowskis: …nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich…fand.
Am 1.Januar 1992 wurde der MDR als weitere Sendeanstalt der ARD gegründet. Seither ist er vornehmlich mit Berichten über die Zeit vor und die nach dem Mauerfall befasst und dies fast täglich.
Jeder Stein wurde umgedreht, die Schuldigen entlarvt, die Helden geehrt, die Ursachen ergründet. Kurzum, wir wissen heute alles was zu diesem denkwürdigen Tag geführt hat.
Nur eine Frage blieb trotz aller Bemühungen ungeklärt!
Wie tickt der „Ossi“ und warum tickt er wie er tickt?
Diese Frage bringt in der Googlesuche ungefähr 57.700 Ergebnisse in (0,37 Sekunden).
Da kann doch nicht davon gesprochen werden, es handle sich um Pille Palle, eine Bagatelle!
Spiegel, Cicero, Welt, Deutschlandfunk um nur einige zu erwähnen, widmeten sich bereits einigermaßen erfolglos diesem Thema.
Im Zeichen, der nun sich zum 30. male jährenden denkwürdigen Ereignisse, lässt kein Medium die Gelegenheit verstreichen, sich in mehr oder weniger überzeugender Weise zu äußern, was ich ausnahmsweise heute auch mal tue.
Immerhin stellt der Glücksatlas 2019 fest: Die Thüringer sind das zufriedenste Bundesland im Osten! Das lässt doch hoffen!
Irgendwann, ich bin mir da sehr sicher, ist der Begriff „Ossi“ oder „Wessi“ verschwunden“, wie auch der Negerkuss, der Mohrenkopf und das Zigeunerschnitzel im Sprachgebrauch getilgt sind.

Quelle: Glücksatlas Deutsche Post
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Europa


Dieses Bild habe ich vor etwa drei Wochen aufgenommen. Es zeigt einen Blick auf die Flaggen am ehemaligen Fischerhafen Althagen, der zum Ort Ahrenshoop gehört.
Die Fahne, die ihr sicher nicht auf Anhieb zuordnen könnt, gehört zu Mecklenburg-Vorpommern.
Das würde ich möglicherweise alles gar nicht so wahrgenommen haben, hätte die Europaflagge nicht, einen dem tatsächlichem Zustand des alten Kontinentes so entsprechendes Aussehen.
Bei dem Gedanken an manche europäische „Volksvertreter“, kommt mir der Titel eines recht betagten Filmes, “ …denn sie wissen nicht, was sie tun„, zwangsläufig in den Sinn. Der Film endet im Desaster! (soll bei Netflix noch zu sehen sein)
Nun haben wir gewählt und hatten keine rechte Ahnung wohin mit unserem Kreuz um Europa nicht im Desaster enden zu lassen. Wir wussten auch nicht so recht, was sollen wir tun?
Auf unseren Reisen haben wir viel gesehen und erlebt. Überall in Europa haben wir uns zu Hause gefühlt. Nun hoffen wir!
Euch allen entspannte Tage im Hotel EUROPA, vielleicht begegnen wir uns einmal?

Prag CZ

Impressionen vom alten Kontinent

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Der Kaiser muss weg! Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten!


Am Montag waren Heidi und ich in Sachen Revolution unterwegs. Diese fand um 10:30 Uhr im hiesigen Bahnhofsgebäude statt.
Der Verein “Weimarer Republik e.V” hatte an insgesamt  47 Bahnhöfen in ganz Deutschland Flashmobs organisiert. Schauspieler und Komparsen trafen sich an für die Revolution im November 1918 bedeutsamen Orten.
Flashmob-Novemberrevolution (24)
Flashmob-Novemberrevolution (21)
Nichts ist mehr wie es einmal war. Die Bahnhofhalle gleicht einem Einkaufszentrum, die Uhren werden durch elektronische Impulse gesteuert, es riecht nicht mehr nach Öl und Ruß der Dampflokomotiven, elektronische Anzeigentafeln weisen auf Verspätungen hin, welche sich damals niemand hätte vorstellen können.
Ein Matrose von der “MS Thüringen”, der eine flammende Rede gegen Krieg und Obrigkeit hält, stört den gewöhnlichen Ablauf im Bahnhof kaum. Mancher Reisende hebt nur kurz den Blick in Richtung der Bank, auf die der Matrose gestiegen ist seine Botschaft zu verkünden, um sich bald wieder seinem Smartphone zu zuwenden. Man ist eher amüsiert ob dieses Spektakels.
Immerhin war diese Revolution das Ende des 1. Weltkrieges und der Beginn der “Weimarer Republik”. Bei der Wahl zur ersten Nationalversammlung erhielt die SPD 38 Prozent der Stimmen und wurde so die stärkste Kraft. Die SPD war eine der Parteien, die die Weimarer Republik maßgeblich mit trug. Heute ist diese Partei von einer tragenden Rolle weit entfernt.
Ich weiß nicht, ob sich einer der heutigen Sozialdemokraten in den Bahnhof verirrt hatte. Ich glaube eher nicht, denn man ist ja nicht nur von einer tragenden Rolle in der Gesellschaft weit entfernt.