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Fast hätten wir es verpasst!


Wir hatten es uns fest vorgenommen und nun hätten wir unsere Reise nach Kassel fast in den Wind schreiben können. Irgendwie war uns der Endtermin für die “documenta 14” nicht mehr präsent. Als wir im Frühjahr unsere Pläne schmiedeten, dachten wir: ist ja noch jede Menge Zeit, da können wir uns entspannt zurücklehnen. Als dann aber vor vierzehn Tagen die Kinder abgereist waren und ich mich erinnerte: “war nicht doch noch etwas?” Da wäre es fast zu spät gewesen. Also musste  schnell ein Termin bis zum 17. September gefunden werden. Wir einigten uns auf den Dienstag, besorgten Bahntickets und hatten sogar noch etwas Zeit den “60. World Press Photo Contest”, der in der Bahnhofshalle die Siegerfotos präsentierte, zu besuchen.
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Dieser Hinweis stimmt schon nachdenklich. Die Fotografen haben nichts anderes getan als unsere Welt im Bild festzuhalten und nun warnt die Tafel davor unseren Kindern diese Welt zu zeigen, jedenfalls nicht in allen Facetten.
…Die Welt ist nicht schön, nein sie ist nicht schön. Schön ist sie nur wenn wir träumen…
(GILBERT BECAUD – Es ist nie zu spät)

Ihr findet die Bilder auch im Netz und könnt euch so ein Urteil bilden (Weltpresse Foto des Jahres).
Unser Regionalexpress stand mittlerweile abfahrtsbereit am Gleis 4 und er sollte auch pünktlich den Bahnhof verlassen. Nicht nur dies, wir erreichten auch ohne Verspätung und entspannt unseren Zielbahnhof Kassel. Das ist ja nicht unbedingt die tägliche Erfahrung mit der Deutschen Bahn.
Nach Ankunft in Kassel-Wilhelmshöhe mussten wir noch den Zug zum Hauptbahnhof benutzen um ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Ob uns unser Ticket zur Benutzung der  KVG Bahn berechtigte, ist uns auch heute noch unklar aber wir gelangten zum Ziel. In wenigen Minuten standen wir dann vor dem wohl bedeutendsten Objekt der documenta 14, dem „Parthenon der Bücher“: ein Mahnmal für die Meinungsfreiheit.
Ich hatte einige Tage vorher versucht im Netz brauchbare Informationen zum Besuch der einzelnen Ausstellungsobjekte zu finden-so eine Art roten Faden der Documenta. Den gab es aber nicht wie ich auch in einigen Publikationen lesen konnte. Ein hilfreiches “App” war auch nicht zu finden. So gingen wir intuitiv immer dahin, wo die größten Menschenansammlungen zu sehen waren.
Der Wetterbericht hatte übrigens unwetterartige Stürme vorhergesagt. Mein “App” zeigte auch eine Sturmwarnung, doch wir wurden von derartigen Unbilden verschont.  Zum Einen war das Wetter besser als prognostiziert und als wirklich heftiger Sturm und Regen für eine halbe Stunde Schlimmes befürchten lies, saßen wir unter einem schützenden Terrassendach zur Mittagspause. Gerne würde ich an dieser Stelle einige nützliche Tipps zum Besten geben. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass heute das Ende der Ausstellung erreicht ist, macht das natürlich keinen Sinn.
In fünf Jahren startet, wenn alles planmäßig verlaufen sollte, die  nächste weltgrößte Ausstellung zeitgenössischer Kunst, wenn diese Schlagzeile nicht zu anderen Überlegungen führen sollte:
…”Die documenta 14 hat ihren Gesamtetat von 37 Millionen Euro überzogen. Das Defizit soll nach Informationen der Zeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ insgesamt 7 Millionen Euro betragen”…
Wie wir aus unserem täglichen Leben wissen, auch der Umgang mit Geld ist eine Kunst!
Ich habe aber viel fotografiert und mit dem kleine Clip kann ich euch einen Eindruck vermitteln wie Heidi und ich die Ausstellung gesehen haben.

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Kunsttourismus


Will man in Deutschland große Kunst genießen, wird auch großes Geld benötigt! Nicht nur Eintrittskarten auch Übernachtung und Anreise müssen oft berappt werden. Zum Beispiel reizt(e) mich mal ein Besuch des neuen Kulturtempels “Elbphilharmonie”. Meine Ambitionen erlitten vorerst aber einen Dämpfer! So sind für das “St. Petersburg Philharmonic Orchestra – Yuja Wang & Yuri Temirkanov” allein für die Eintrittskarte  ab 359,99€ fällig. Für das “Phantom der Oper” als Stummfilm mit Livemusik waren Karten ab 85,13€ erhältlich.
Da drängt sich dem unbescholtene Steuerzahler schon die Frage auf: Wer hat denn hier mit welchem Geld und für welches Publikum ein Konzerthaus gebaut? Aber schaut mal selber, ob ihr für euch ein passendes Ticket findet.Smiley mit geöffnetem Mund
Nun waren wir letzte Woche aber auch einmal in Sachen Kunst unterwegs. Der Weg führte nach Wiesbaden und dazu nutzten wir den Service der Deutschen Bahn. Immerhin handelt es sich um die hessische Landeshauptstadt, was übrigens manchem nicht bekannt ist. Eine solche Metropole verfügt selbstverständlich über eine entsprechende Theaterlandschaft. Ein sehr schönes Haus beherbergt das “Hessisches Staatstheater” und es gibt auch ein “Galli Teater”, welches das Ziel unserer Reise war. Es war Heidi und mir nicht einmal bekannt welches Stück zur Aufführung  gelangen sollte, aber die dort verpflichteten Darsteller, Oscar und Fritz, reißen uns jedes Mal, wenn sie uns besuchen, zu Begeisterungsstürmen hin. Möglicherweise steht euch das noch bevor.Zwinkerndes Smiley
Sie verbrachten ein Teil ihrer Ferien in der hessischen Landeshauptstadt und dort waren sie zu einem Kinderworkshop angemeldet.
Oscar-Fritz01Damit ihr mal eine Vorstellung von Oscar und Fritz habt!
Wie schon gesagt, wir waren mit der Deutschen Bahn unterwegs. Es lief auch alles entspannt und wunschgemäß, bis zu der Durchsage des Zugchefs bei der Einfahrt in den Frankfurter Bahnhof. Dieser suchte nämlich dringend einen Arzt oder Rettungssanitäter und er fragte, ob derart qualifizierte Reisende an Bord sind.
Wer nun der Annahme ist, in so einem großen Bahnhof wie Frankfurt ist ein medizinischer Notfall schnell einer Lösung zugeführt, der irrt (zumindest in unserem konkreten Fall) .
Bis die Sanitäter des Malteser Hilfsdienstes mit der ersten Trage den etwa 300m langen Bahnsteig zu Fuß bewältigt hatten, war etwa eine viertel Stunde vergangen. Die mitgeführte Trage war aber im konkreten Fall unbrauchbar. Also 300m Bahnsteig zurück  und nach etwa 10 Minuten wieder besagte Strecke mit einer spezielleren,  kleineren Trage zurück zum Notfall.
Wir wurden langsam unruhig, ob wir noch pünktlich zu unserer Vorstellung nach Wiesbaden gelangen. Als nach, na sagen wir mal, etwa 25 Minuten auch ein Notarzt erschien, beschlossen wir nun den Weg mit der S- Bahn zu wählen, denn mit solcher könnten wir es gerade noch schaffen. Die wurde dann durch einen im Gleis befindlichen vorherfahrenden Zug ausgebremst. Als wir dann wieder Fahrt aufnahmen überholte uns der ICE, den wir aus begründetem Misstrauen verlassen hatten.
Wir erreichten das “Galli Theater”, konnten noch die Toilette aufsuchen und als wir den Saal betraten hob sich der Vorhang.
Es beeindruckte schon, was die Kinder dort in vier Tagen einstudiert hatten und mit welchem Spaß sie das vortrugen. Es waren übrigens die “Die Bremer Stadtmusikanten”, die Zuschauer wie Darsteller erfreuten.
Dafür gab es auch reichlich Applaus!

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Der Weg ins Kloster


Es gibt ja verschiedene Gründe ins Kloster zu gehen. Bei uns lag es zum Beispiel am Wetter. Normalerweise habe ich um diese Zeit mein erstes Buch im Jahr bereits gelesen. Meist handelt es sich dabei um einen Roman, irgend etwas Schönes um die Seele baumeln zu lassen. Dazu suche ich mir für derartiger Lektüre, ein schattiges Plätzchen im Garten. Doch in diesem Jahr bin ich noch nicht so recht vorangekommen. Die Temperaturen waren so niedrig und häufig wehten auch noch Winde aus Nordost, dass ich erstmals am 10. Mai  bei angenehmen Temperaturen, im Schatten unseres Apfelbaumes, mein bereits begonnenes Buch zur Hand nehmen konnte. Momentan befasse ich mich literarisch mit “Franziskus” von Andreas Englisch.
Ich bleibe aber dabei, es war das Wetter und nicht der derzeitige Papst. Hätte die Sonne uns nur etwas mehr verwöhnt,  wäre ich bereits mit Franziskus durch und hätte vergangenen Sonntag auf der Terrasse gesessen und es mir gut gehen lassen.
davEs war aber kalt und regnerisch und  so musste ein Ersatzplan her.  Da hatte Heidi eine gute Idee! (Sie hat übrigens ausschließlich gute Ideen.)  In einem durch die Stadt herausgegebenen Veranstaltungsplan hatte sie den Hinweis auf ein Galerie-Wochenende im Kartäuserkloster entdeckt. Das ehemalige Kloster ist mittlerweile eine attraktive Wohnanlage und die wenigen historische Räume stehen Besuchern für gewöhnlich nicht offen.
Das sind solche Gelegenheiten, die wir regelrecht suchen. Auf diese Weise bekommt man Dinge zu Gesicht, die aus unterschiedlichen Gründen,  nicht zugänglich sind.
Als wir 11:00 Uhr die Klosterpforte erreichten kam auch Frau Angelika Liebhart, die Galeristin, etwas abgehetzt mit ihrem Fahrrad um die Ecke gebogen. Für uns etwas ungewohnt zu dieser Zeit, bot sie uns ein Gläschen Sekt an und wir führten in der Folge ein nettes Gespräch. Sie zeigte uns die Räume und informierte darüber, dass der Eigentümer plant selbige zu Wohnzwecken umzubauen, was zwar wirtschaftlich sicher sinnvoll aber kulturell ein Verlust darstellen würde.
Als weitere Gäste eintrafen widmeten wir uns den ausgestellten Grafiken von Thomas Ranft, die es uns ja erst ermöglichten, die Räume zu besichtigen.
dav
Warum schreibe ich das nun? Einmal weil schon wieder 14 Tage vergangen sind und zum Anderen wollte ich euch die Idee nahebringen, auf beschriebene oder ähnliche Weise Zugang zu interessanten Räumen zu erhalten, welche für gewöhnlich verschlossen sind oder nur bestimmten Personen  zugänglich.
Also, dann schaut mal; ihr werdet bestimmt fündig.

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Auf Clueso’s Spuren


Thomas Hübners Eltern dürften sich beim hören des Songs “Junge”, ursprünglich von den “Ärzten” und vor kurzer Zeit sehr erfolgreich gecovert von Heino, an sorgenvolle Tage zurück erinnern.
Nun, er hat es Lehrern und Eltern bewiesen.
Man kennt ihn mittlerweile als “Clueso” und hätte es den Film “Fuck ju Göhte” nicht gegeben, läge sein Bekanntheitsgrad möglicherweise noch vor dem des Geheimrates aus Weimar.Zwinkerndes Smiley

Vergangenen Sonnabend begaben wir uns nun auf Spurensuche. Das Wetter ist ja seit mehr als drei Wochen  erbarmungslos schlecht und da schien uns das Jubiläum, 15 Jahre “Zughafen”, eine lohnende Alternative zum Ausflug in die Natur.
Da die Möglichkeit an einer Führung teilzunehmen bestand, konnten wir mal hinter die Kulissen des “Zughafens” schauen.
Patrick, ein äußerst freundlicher, etwas schlaksig daherkommender Typ, der die Anfänge im jahrelang leerstehenden Bürogebäude der Bahn mitgestaltet hat, begrüßt die etwa 15 Gäste, die sich neben vielen anderen für einen Rundgang interessierten. Er stellt sich als Musiker vor, der sein Projekt “LilaBungalow” betreibt.
Sein Bericht von der Umsetzung, der von Clueso und dessen Manager Andreas Welskop entwickelten Idee, hier ein kulturelles Netzwerk zu schaffen, stieß auf lebhaftes Interesse. Er sprach über die Mühen und tausende Stunden Eigenleistung, die kaum vorhandene Förderung und die Genugtuung über das Erreichte.
Gegenwärtig beherbergt das Haus 40 kleinste und kleinere Firmen, die etwa 200 Mitarbeiter beschäftigen. Das geht über Lichtdesign, Siebdruck, Merchandising, Musik, Holzbearbeitung und einiges mehr.
Clueso haben wir hier nicht getroffen. Er hat sich von vielen Dingen getrennt und so heißt sein neues Album folgerichtig “Neuanfang” (über 4,7 Millionen Klicks auf You Tube).
Doch seine Spuren nahmen wir hier überall war. Sein Name wurde auch bei unserem Rundgang immer wieder genannt.
Als wir uns von Patrick verabschiedeten, wünschten wir viel Glück. Sie brauchen für das Anwesen einen neuen Mietvertrag, denn der bestehende läuft zum Jahresende aus. Also drückt auch mal eure Daumen, damit uns solche Kleinode erhalten bleiben.


Macht weiter liebe Zughafencrew, trotz Neuanfang!

15 Jahre Zughafen Erfurt – 21.-23. April 2017 – mit Visual Artist Dirk Rauscher und Lotus Lumina – Musik und Sounddesign von Clueso

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Im Wartesaal zum großen Glück


Es gibt so Sätze wie: „Das also war des Pudels Kern!“ oder „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ In diesem Falle stammen sie, wie manch andere fast sprichwörtlich verwendete Weisheiten aus Goethes “Faust”, was ihr sicher unschwer erkannt habt. Gerne werden sie in Referaten oder öffentlichen Auftritten, wie die uns fast täglich heimsuchenden Talkshows, mehr oder weniger sinnvoll verwendet.
Mir kommt seit Jahren auch ein Vers zu der einen oder anderen Gelegenheit in den Sinn:
…” Im Wartesaal zum großen Glück
Da warten viele, viele Leute
Die warten seit gestern auf das Glück von morgen
Und leben mit Wünschen von übermorgen
Und vergessen, es ist ja noch heute…”

Ich denke, dieses Chanson mit obigem Text erstmals von Hildegard Knef gehört zu haben. Da ich immer, wenn mir die Zeilen in den Sinn kamen eine unglaubliche Aktualität spürte, andererseits aber auch eine erstaunliche Unendlichkeit, als hätten die Menschen schon vor Jahrhunderten diesen Wartesaal aufgesucht, wollte ich es nun doch genauer wissen.
Immerhin lieferte “Google” 4.350 Ergebnisse! Ein untrügliches Zeichen, dass ich nicht der einzige bin, den diese Zeilen interessierten.
Erstaunlich, was ich so alles entdeckte. “Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea” so nannte sich im Jahre 1956 der erste “Eurovision Song Contest” der in Lugano in der Schweiz stattfand.
Ein gewisser Walter Andreas Schwarz  präsentierte dieses Lied als ersten deutschen Beitrag bei diesem, heute zum Superevent mutierten, Gesangswettbewerb. Es gab noch einen zweiten deutschen Teilnehmer, der im Gegensatz zu A. Schwarz  nach seinem Auftritt nicht in der Versenkung verschwand, Freddy Quinn.
Interessant ist, dass nur der Siegertitel von Lys Assia bekannt gegeben wurde. So bleibt es ein Gerücht das A.Schwarz  den zweiten Platz erreichte.  Die Bewertungsunterlagen können keinen Aufschluss mehr geben, denn sie wurden vernichtet.
Für besonders Interessierte die Version von Walter Andreas Schwarz 1956

Zurück zu unserem Ausgangspunkt. Sicher wart ihr am Sonnabend rechtzeitig in dem kleinen Laden der Zigaretten und Zeitungen verkauft. Damit etwas mehr an Einnahmenn hängen bleibt  werden hier auch Lottoscheine angenommen. Deswegen wart ihr wieder dort. Ihr kennt den älteren Herrn, der das Geschäft betreibt schon seit Jahren und er wünscht euch jedes Mal seither Glück. Die Zahlen habt ihr in der langen Zeit einmal geändert, was aber keinen Erfolg brachte. Die Enttäuschung am Sonntag nach der Ziehung wird sich in Grenzen halten. Ihr seid schon daran gewöhnt und habt euch im Wartesaal zum großen Glück fast häuslich eingerichtet.  Die Chance für den Gewinn des Jackpots bei 6 aus 49 liegt bei rund 1 zu 140 Millionen. Wahrscheinlich werdet ihr auch noch den nächsten Ladeninhaber kennenlernen.
Es gibt da ein fast 150 Jahre altes Kampflied der Arbeiter. Da wird eine Erkenntnis in folgenden Textzeilen verarbeitet:
…Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!…
In diesem Sinne eine glückliche Woche. Im Wartesaal zum großen Glück könntet ihr ja mal Frühjahrsputz machen.Zwinkerndes Smiley