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Neu im Programm


Aus aktuellem Anlass zeigen wir nach Wiedereröffnung in unserem Lichtspielhaus, in Abänderung, nachstehendes Programm:

Kino 1

„Angst essen Seele auf “ Deutsches Melodram des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder.

Kino 2

„denn sie wissen nicht, was sie tun“ Frei nach James Deans vorletztem Film, in Neuverfilmung mit 16 Provinzfürsten, alle in Hauptrollen.

Kino 3

Lehrgang der Volkshochshule zu Grundlagen der Statistik.
Thema: „Das harmonische Mittel“

Als Kulturbeitrag in allen Sälen:
Bodo Wartke – Christian Drosten (live aus seinem Wohnzimmer)

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Wandmosaik von Josep Renau wieder fast am alten Platz


Am Moskauer Platz in Erfurt wurde am 7. Oktober 1984 (zum 35. Jahrestag der DDR) ein Kultur und Freizeitzentrum eröffnet. Es bildete den kulturellen Mittelpunkt des entstandenen Neubaugebietes.
Auf nahezu 21.000 m² fand sich ein reichhaltiges Angebot, verschiedenster Einrichtungen, wie ein Restaurant mit 321 Plätzen, eine Bier- und Weinstube, ein großzügiger Mehrzwecksaal und die größte Stadtteilbibliothek mit rund 50.000 Medien, Kegelbahn und mehre Gesellschaftsräume.
Mitte der 90er Jahre erfolgte die Schließung. Für derartigen Luxus war nach der eingezogenen neo-liberalen Lesart kein Budget vorzuhalten. Solche Objekte werden nach dieser Betrachtungsweise am besten gewinnbringend veräußert.
Mehrere Besitzerwechsel und damit verbundene Versuche zur Neunutzung schlugen fehl.
Nachdem die benachbarten Wohngebäude Moskauer Platz 2 bis 13 im Jahr 2007 abgerissen wurden, drohte dem Komplex das gleiche Schicksal. Der Abriss erfolgte dann 2012.
Das war tausendfache ostdeutsche Wirklichkeit, besonders in den 90er Jahren. Doch bei diesem Objekt gab es die Besonderheit, es handelte sich um ein monumentales Kunstwerk von internationaler Bedeutung.
»Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik« heißt das sieben mal 30 Meter große Wandbild des katalanischen Künstlers Josep Renau. Es entstand ab 1976 in Glasmosaiktechnik für das Kultur- und Freizeitzentrum am Moskauer Platz in Erfurt. Die Fertigstellung seines Mosaiks erlebte Renau nicht mehr, er starb am 11. Oktober 1982. Die Vollendung nach seinem Entwurf blieb seinen Schülern vorbehalten.
Das Wandbild wurde auf Initiative von Anwohnern, ehemaligen Schülern und Wegbegleitern sowie engagierten Denkmalpflegern unter Denkmalschutz gestellt, Ende 2009 wurde es abgenommen und eingelagert. „Es ist das letzte große Werk Renaus und eines der wichtigsten Werke der Moderne“, lautete das Urteil des Landeskonservators Holger Reinhardt.

So war das Ergebnis nach jahrelangem Leerstand.

Dank dieses Engagements kann das Mosaik seit dem 03. Dezember 2019 wieder besichtigt werden, was ich vergangene Woche tat. Die Finanzierung wurde durch die Wüstenrot Stiftung übernommen. Zum Bürgerfest anlässlich der Einweihung am 3. Dezember 2019 waren auch Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Oberbürgermeister Andreas Bausewein der Landeshauptstadt Erfurt anwesend.
Nun könnte man meinen „Ende gut, alles gut“.
Dann schaut euch mal in eurer näheren Umgebung etwas um. Welche Freibäder und Schwimmhallen wurden geschlossen oder stehen vor der Schließung. Seht mal nach den Problemen der Sporthallen oder der Schulen, da wo ihr zu Hause seid. Mehr Beispiele erspare ich mir an dieser Stelle.
Allein 2017 wurden in Deutschland 175 Schwimmbäder geschlossen, darunter 62 Freibäder (Quelle Tagesschau) Googelt ihr „Schließung Sporthallen Deutschland“ erhaltet ihr 221.000 Ergebnisse). Das macht nicht die Zahl der Hallen deutlich aber das Problem.
Wenn ihr wegen des Coronavirus das Haus nicht verlassen solltet, könnt ihr ja noch weiter googeln 😉

Die neugestaltete Vorhangfassade mit den Fliesen von J.Renau für 800.000€ finanziert durch die Wüstenrot Stiftung

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Ausflug nach Gramont


„Ah, ca c`est Gramont!“ (Ah, das ist Gramont) soll Napoleon beim Blick auf die Stadt Apolda bei seinem Rückzug von der verloren Schlacht bei Jena Auerstedt 1806 bewunderungsvoll ausgerufen haben.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr keine Ahnung habt wo dieser Ort zu finden ist, dürfte recht groß sein. Die Stadt bildet ein Städtedreieck mit Weimar und Jena. Sie ist eine typische kleine deutsche Industriestadt, die besonders durch Strick- und Wirkwarenherstellung sowie die über 250 jährige Tradition des Glockengießer-handwerkes, eine gewisse Bedeutung und Bekanntheit erreichte (Die Glocke dicker Pitter im Dom zu Köln wurde 1923 von Glockengießermeister Heinrich Ulrich (1876–1924) in Apolda gegossen).
Davon ist heute nicht mehr viel übrig. So hat auch hier die Bevölkerung seid 1989 um etwa 21% abgenommen.
Der Besuch des Städtchens ist ungeachtet dessen empfehlenswert.
Wir hatten ja eigentlich einen Winterausflug in den Thüringer Wald geplant. Ich hoffte auf eine schöne Winterlandschaft und gutes Essen. Das haben wir nun für dieses Jahr aber ad acta gelegt.
Da es in Apolda einen sehr rührigen Kunstverein gibt, der eine sehenswerte Dürerausstellung auf die Beine gestellt hatte, so war es jedenfalls zu lesen, haben wir unser Absichten in diese Richtung geändert.
Im Kunsthaus erwartete uns eine wirklich sehr beeindruckende Ausstellung von Meisterwerken der Renecance.
Dem außergewöhnlichen Sammlungsbestand der österreichischen Zisterzienserabtei Stift Stams, ist die Präsentation von über 100 Holzschnitten und Kupferstichen zu verdanken. (Schaut mal unter Werke Albrecht Dürer)
Übrigens, 1495 gründete Albrecht Dürer seine eigene Werkstatt in Nürnberg.
Am 7. Juli 1494 hatte er die Ehe mit Agnes Frey, die einer Patrizierfamilie entstammte, geschlossen. Die ausgehandelte Mitgift von 200 Gulden reichte gerade für die Werkstatt.
Diese Tatsache machte mich doch nachdenklich. Ich habe bis heute noch kein vergleichbares Objekt!?
In der Ausstellung wird zudem die „Ehrenpforte“ Kaiser Maximilians I. präsentiert, welche den Stammbaum sowie die Geschichte der Habsburger huldigt (Bild unten).

„Ehrenpforte“ Kaiser Maximilians I. Sie wurde auf 190 einzelnen Holzstöcken gedruckt und anschließend zusammengeklebt.

Der Eintritt war mit 6€ recht moderat. Eine Kombikarte kostet 2€ zusätzlich und ermöglicht den Besuch des sehenswerten Glockenmuseums in dem auch eine Ausstellung zur textilen Industriegeschichte Apoldas präsentiert wird.
Ein Wehrmutstropfen soll nicht unerwähnt bleiben, ich benötige einen neuen Regenschirm. Eine heftige Windböe bescherte meinem Wetterschutz ein jähes Ende.
Das sollte euch nicht entmutigen. Es war ein lohnenswerter Ausflug.

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Es war einfach köstlich


Letztes Wochenende weilten wir im „Haus Dacheröden“. Nein das ist kein Restaurant und auch unser Festagsbraten wurde noch nicht verspeist.
Das Gebäude im Renaissance-Stil galt im 18. Jahrhundert als Treffpunkt der geistigen Elite. Hier trafen sich im Salon des Freiherrn Karl Friedrich von Dacheröden Gelehrte und Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und die Brüder Humboldt.
Ich denke auch diese Herrschaften haben sich in illustrer Gesellschaft ab und zu köstlich amüsiert.
Bei uns ging es ebenfalls nicht um Gaumenfreuden. Wir erlebten die Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens, inszeniert und vorgetragen durch Christiane Weidringer und Harald Richter. Diese Darbietung fanden wir einfach köstlich!
Wir erlebten einen Theaterabend mit Schauspiel, Figurentheater und stimmungsvollen Weihnachtsliedern aus England. Beeindruckend ist immer wieder mit welch einfachen Mitteln Kostüme, Kulissen und die handelnden Personen sich den wechselnden Situationen anzupassen vermögen.

Sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk wurde jedem Zuschauer zuteil (siehe obiges Bild). Verpackt mit der Aufschrift Merry Christmas, erhielten wir eine „One Penny“ Münze mit lächelnder Queen! Nun sind wir, glaube ich, besser auf den Brexit vorbereitet als das Volk, welches Boris Johnson wählte.
Allen die hier mehr oder weniger regelmäßig vorbeischauen, ebenfalls eine amüsante Weihnachtsgeschichte, Gesundheit und etwas Glück im neuen Jahr.

Wer die Geschichte von Charles Dickens nicht kennen sollte findet hier eine 8-Minuten Kurzversioin

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Herbstzeit ist nicht nur Kürbiszeit


Laut Kalender haben wir nun nach einem langen, heißen und trockenem Sommer Herbst! Die Temperaturen ließen das bisher noch nicht vermuten, aber immerhin, einige spärliche Niederschläge gab es bereits.
Nun hoffen wir auf Nebelschwaden, bunte Wälder, Wind, der die letzten verbliebenen Blätter von den Bäumen reißt, Spinnennetze, in denen der Morgentau hängt und von Raureif überzogenen Wiesen.
Herbst ist für uns aber auch immer Zeit der kulturellen Erbauung.
Dies begann in den letzten Jahren meist mit der Kürbisaustellung auf der EGA. So nutzten wir das angenehme Wetter auch letzte Woche, um zu sehen welche Kunstwerke nicht nur zu Halloween aus Kürbissen entstehen können.
Der Kürbis ist aber auch ein genialer Grundstoff für eine leckere Kürbissuppe. Das hatte ich bereits vergangenes Jahr ausführlich beschrieben: Halloweensuppe.

Ich erwähnte es schon, Herbstzeit ist auch der Besuch aller möglichen kulturellen Veranstaltungen. So machten wir uns gemeinsam mit Evi und Randolf auf den Weg zur Ruine der Barfüßerkirche.
Die Barfüßerkirche gehörte bis zu ihrer Zerstörung durch einen Bombenangriff im Jahre 1944 zu den bedeutendsten Kirchenbauten Erfurts und zu den schönsten Bettelordenskirchen Deutschlands.  Seit einigen Jahren wird das zerstörte Langschiff im Sommer für Theateraufführungen genutzt.
Es gibt aber noch einen kleineren unversehrt gebliebenen Raum, die Annenkapelle. Heidi und ich hatten sie vor einiger Zeit rein zufällig entdeckt. Dadurch, dass sie auch für Veranstaltungen genutzt wird, konnten wir sie durch den Erwerb der Eintrittskarten für: „Erfurt in Licht und Schatten„, von innen studieren.
Wir erlebten eine unterhaltsame Zeitreise, die mit beeindruckenden Schattentheaterszenen 1200 Jahre Erfurter Geschichte humorvoll beleuchtete.

Damit aber noch nicht genug der kulturellen Aktivitäten. Vergangenen Sonntag waren wir im Rahmen der „JAZZMEILE THÜRINGEN“ mit guten Freunden im Waldhaus, einem im Jahre 1888 erbauten Ausflugsrestaurant, verabredet.
Hier erlebten wir Boogieman’s Friend. Wenn ihr wollt hört mal rein:

Nach einem guten Bier aus der hauseigenen Brauerei und einer Pizza, die ich mit Heidi teilte, begaben wir uns in Richtung Bismarckturm. Hier hörten wir noch eine Weile dem Peter Glessing Dixie Trio zu.
Als wir dann in unserem Garten zum Kaffee saßen, hatten wir etwa 10 km Fußweg absolviert. Hätten wir alle drei Spielorte aufgesucht ( Espach-Café ) wären wir auf weitere 5 km gekommen. Im Wandern zu den einzelnen Spielorten besteht der eigentliche Sinn der Veranstaltung (11. Erfurter Jazzwanderung). Also nicht nur berieseln lassen, selbst aktiv sein!