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Da hatten wir wohl die richtige Entscheidung getroffen!


Sonnabends gehen wir fast immer zum Markt auf dem Domplatz. Dabei geht es nicht vorrangig um die Lösung von Versorgungsfragen, es ist so ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Handels; Erwerb von Dingen für Küche und Haushalt ohne Account bei Amazon, bezahlbar sofort mit Geld aus dem Portmonee.
Dabei führt uns unser Spaziergang immer an drei Kleinkunstbühnen vorbei und das sind beileibe nicht alle hier in der Stadt. Die erste Adresse, die wir passieren, ist das oder die “Mehlhose” in der Löberstraße 12. Es stehen nur noch wenige der ehemaligen alten Häuser dieser Straße und besagtes dient also nun kleineren Veranstaltungen für ein buntes Publikum. Die hier auftretenden Künstler haben noch nie eine Einladung zu einer der zahlreichen Talkshows der ARD  gehabt. Entweder wird man durch Mundpropaganda zum Erwerb einer Eintrittskarte animiert oder ein Blick auf das Programm macht einen neugierig.
“Lesen für Bier” stand auf dem Programm! Das wollten wir nun endlich einmal genau wissen. Heidi besorgte Karten und ließ sich vorher den Programmablauf erklären.
Die Lesen-für-Bier-Regeln sind einfach: Friedrich Herrmann und sein Gast Flemming Witt lesen, was auch immer mitgebracht wird. Ob alte Liebesbriefe, die Menükarte eures Lieblingsdöners oder Sartre – eben Texte aller Art.
Nach jedem Vortrag entscheidet der Applaus, ob der Text oder die Performance besser war. Hat die Performance überzeugt, geht das Bier an die Lesenden auf der Bühne. War der Text besser, erhält der Besucher das Bier, der den Text zur Verfügung gestellt hat.
Das kann schon recht lustig werden! So wurde uns die Einleitung zur Gebrauchsanweisung der Nähmaschine “VERITAS” aus dem Jahr 1967 verständlich und ohne Anglizismen zu Gehör gebracht. Ein durch männliche Demonstration unterstützter Vortrag , “Anleitung zur selbständigen Brustuntersuchung der Frau”, fand auch bei den Herren viel Beachtung und entsprechenden Applaus.
Eine Kindergärtnerin hatte einen eigenen Text aus ihrem Berufsalltag verfasst.
Jeder konnte auch Wünsche zur Art der Präsentation des Textes äußern und die Protagonisten bemühten sich um entsprechende Umsetzung.
bmd
Als ich unseren Text überreichte, bat ich Flemming Witt dem Ganzen eine Hörsaalatmosphäre zu verpassen und den wissenschaftlichen Anspruch der Thesen zu unterstreichen.
“Zur soziologischen Psychologie der Löcher” ist eine Satire aus dem Jahre 1931 von Kurt Tucholsky. Der Vortrag war gut und mit Enthusiasmus wie Überzeugungskraft vorgetragen. Doch das vorwiegend recht junge Publikum wählte den Text! So kam ich zu einem Bier und Tucholsky zu Ehren. Die Jungs auf der Bühne mussten aber nicht verdursten, es gab noch genügend Texte, wo die Performance den Text übertraf.
Letztlich folgte nach etwa zweieinhalb Stunden eine Endauswertung über den besten Text.
Gewinner war Tucholsky mit seiner tiefsinnigen Auseinandersetzung über das Loch und dessen Plural die Löcher!
So bin ich auch noch in den Besitz eines Gutscheins von 20€, einzulösen im “FRANZ MEHLHOSE”, gelangt.
Sehr verehrter Kurt Tucholsky,
irgendwie ist mir die Sache etwas peinlich. Es ist ja eigentlich nicht mein Verdienst. Nun- ich mache jetzt erst einmal Ferien. Falls Sie meinen Text hier lesen, den Gutschein würde ich Ihnen gerne überlassen. MfG Ihr S.W.
(Das Video ist leider nicht sehr gut aber der Vortrag, damit ihr wisst  über was ich hier überhaupt geschrieben habe)

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Schnupperkurs im Pflegeheim


oder: Jung sterben ist auch keine Lösung
Ich weiß nicht, warum wir keine Jahresmitgliedschaft für die Pfadfinder geschenkt bekamen?
Wie schon gesagt, Schnupperkurs im Pflegeheim war angesagt. Ihr müsst euch die Sache so vorstellen, einerseits der etwas renitente  über 70 jährige, der ein erlebnisreiches Leben nun im Pflegeheim, mit vielen Anekdoten, ausklingen lässt. Er hat sie schon hundertmal zu allen möglichen Anlässen zum Besten gegeben und er wird sie auch noch häufig vortragen. Also ähnlich wie die Frauen, die die Geburt ihrer Kinder immer wieder, einem mehr oder weniger interessierten Publikum, darbieten.
Der ältere Herr wird durch Sky du Mont verkörpert und zwar recht glaubhaft.
Als Pflegerin und Gegenpart fungierte Christine Schütze. Habt ihr noch nicht gehört? Ging uns ebenso. Eine tolle Künstlerin (KLAVIER & KABARETT)! Allein ihr Charme, machte die Vorstellung den Lebensabend in einem Pflegeheim zu verbringen, doch etwas erträglicher. Wir hatten natürlich auch einen entsprechenden “Pflegebeitrag” zu entrichten. Da es sich um ein Geschenk handelte, kamen wir um diese Kosten herum. Es wären pro Karte 28,90€ fällig gewesen. Das ist gemessen an den Tagessätzen in deutschen Pflegeheimen mit minimal 72,00€ durchaus ein Schnäppchen, auch wenn wir für unser leibliches Wohl selber sorgen mussten. Wir verbrachten einen unterhaltsamen Abend. Sky du Mont las aus seinem neuen Buch, Christine Schütze kontert singend am Klavier.
Aber irgendwie finden wir das Pfadfinderlager besser als den Ausflug ins Altenheim.
Siky du Mont

Die wenigen Klicks hat Frau Schütze nicht verdient! Überzeugt euch selber. Sicher habt ihr viel Spaß dabei!

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Hochprozentiges – Gerste & Wacholder


Vom rauchendem Wasser und dem Gin des Lebens, ein Abend voller destillierter Geschichten, über die Werkstatt des Teufels und den stärksten Whiskey der Welt.
Zur Behandlung, geistig derartig anspruchsvoller Themen, hatten Heidi und ich zu Weihnachten Eintrittskarten erhalten.
Werner Brunngräber (Wacholder) und Michael Dont (Gerste) sind zwei Thüringer im jugendlichen Alter, die wegen der tragischen Liebe zu einer Frau in die Welt ziehen. Dies war insofern besonders schwierig, da der 13 August 1961 schon zwei Jahre zurücklag. Ihre Stationen sind Amsterdam, Schottland, West-Berlin zurück nach Thüringen nach Neuhaus am Rennweg. Und dieser kleine und fast unbekannte Ort wird nun einen beachtlichen Aufschwung erleben. Denn “Gerste” und
”Wacholder” haben im Laufe ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens, das Handwerk der Destillation erlernt und erzeugen nun in den Höhen des Thüringer Waldes Gin und Whisky. Den haben wir dann auch probieren dürfen, das war im Eintritt enthalten.
Nicht enthalten war im Anschluss der Vorführung die Jamsession von einigen zufällig anwesenden Musikern. Sie hatten sich abgesprochen noch Christian Morgensterns “Galgenlieder” in Bluesversion zu Gehör zu bringen. Eine tolle Idee, die uns viel Spaß bereitete.
bdr
Hier mal ein Blick auf die Galgenliederinterpreten. Ihr vermutet richtig; es handelt sich um ein historisches Gewölbe. Genauer,  es ist das ehemaligen Kriegslaboratorium und Kanonenhof an der Bastion Martin der “Zitadelle Petersberg”. Dies Anlage ist eine ursprünglich kurmainzische, später preußische Stadtfestung des 17. bis 19. Jahrhunderts. Sie gilt als einzigartig in Europa.
Ja, und da denk ich manchmal in derartigen Zusammenhängen so wirres Zeug, wie: wäre doch schön in Kürze auch mal in der “Ramstein  US Air Base” Kultur dieser oder anderer Art zu erleben!
Bis es soweit ist, noch ein Gin oder Ähnliches! Prost!

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Sagrada Familia


Das ich heute doch noch ein paar Zeilen in den Computer tippe, hielt ich fast für nicht möglich. Ich hatte der Digitalisierung aufgeschlossen begegnen wollen und machte mich an den Download des Windows Creators Updates, welches  seit 17.10. zur Verfügung steht. Das endete dann in einer Geduldsprobe. Ich will hier nicht die Einzelheiten beschreiben, die wurden schon x-mal gepostet. Nach drei Stunden intensiver Rechnerauslastung stand der Fortschrittsbalken für die Vorbereitung des Updates bei 15%! Da dachte ich, mal sehen was bei Google dazu zu erfahren ist.  Ich fand dort folgenden Rat: Nicht ausschalten, einfach weiter laufen lassen und am nächsten Morgen sehen was passiert ist! Also habe ich bei 16% Fortschritt um 0:30 mein Bett aufgesucht und siehe da am nächsten Morgen konnte das Manöver nach weiteren 60 Minuten Installation erfolgreich beendet werden.
Da war aber unser Plan, Küche und Korridor mit einem neuen Farbanstrich zu versehen, noch  nicht in die Tat umgesetzt. Die eigentliche Arbeit besteht hier weniger darin frische Farbe an die Wand zu bringen, sondern den ganzen Klimbim zu reinigen, zwischen zu lagern und anschließend zurück  in die Regale zu räumen. In unserem Korridor haben wir einen Großteil unserer Bücher deponiert und da wir uns von nichts trennen können, findet man noch allerhand dekorativen Krempel in den Regalen. Ähnlich ist es in der Küche. Aber irgendwie lagen wir sehr gut im selbstverordneten Zeitplan.
So kann ich euch nun noch ein Stück auf unserer letzten Reise mitnehmen. Auch wenn es einem momentan etwas bange um Kataloniens Hauptstadt ist, fliegt wenn noch nicht erledigt, einmal hin. Dann erlebt ihr mit Sicherheit eine der schönsten und spannendsten europäischen Metropolen.
Besonders möchte ich den Besuch der “Sagrada Familia”  erwähnen.
SagradaFamilia (14)
Heidi und ich besuchten dieses Bauwerk schon vor etwa 14 Jahren. Nun waren wir gemeinsam mit Freunden dort und es hat sich einiges verändert. Die Tickets kauft man, wie mittlerweile üblich, über das Internet. (Ticket Schnelleinlass 20€) Das ist sehr zu empfehlen, denn es gibt kaum Wartezeiten. Natürlich müsst ihr euch einer entsprechenden Einlasskontrolle unterziehen.
Wie gelangt man zur Kathedrale? Am einfachsten ist es mit der Metro. Die Station ist nur wenige Minuten entfernt und trägt naheliegend den Namen “Sagrada Familia”. So machten wir es aber diesmal nicht. Wir benutzten das Auto. Mit Hilfe von “Google Maps” gelangten wir problemlos zum Parkhaus “Manhatten”. Die Empfehlung war ebenfalls von Google, da das Einparken im Vergleich zu einem anderen Parkhaus in der Nähe als einfacher angesehen wurde. Alles funktionierte gut und für etwa sechs Stunden waren um die 20,0€ fällig.
Wie schon gesagt der Einlass, er war ab 11:00 Uhr gebucht, funktionierte zügig, nur die Taschenkontrolle wirkt bei Heidi wie eine schwere Laktoseintoleranz.Zwinkerndes Smiley
Ich kann gar nicht sagen wie lange wir staunend die wunderschönen Eindrücke auf uns wirken ließen. Ich denke, es waren so etwa anderthalb Stunden. Ich habe für euch eine kleine Animation erstellt. Die vermittelt einen bescheidenen Eindruck vom inneren der Kirche. Ich verspreche 20€ sind gut investiertes Geld. Ihr müsst euch weder für sakrale Baukunst noch für Statik am Kirchenbau interessieren. An was ihr glaubt ,spielt ebenfalls keine Rolle und was Kunst ist, liegt schließlich allein im Auge des Betrachters. Ihr solltet aufgeschlossen für das Unbekannte, das Schöne sein, etwa so wie ihr damals euren Partner/Partnerin zum erste Mal begegnet seid.

Kleiner Bummel durch die “Sagrada Familia” mit J.S.Bach
Der Baumeister, Antoni Gaudí, der maßgeblich die Planung des gigantischen Bauwerkes bestimmte, verstarb am 7. Juni 1926 durch einen Straßenbahnunfall. Man hielt ihn irrtümlich für einen Landstreicher. Seine verschlissene staubige Kleidung ließ das vermuten. So kümmerte man sich nicht allzu intensiv um ihn. Die Taxifahrer weigerten sich angeblich ihn ins Krankenhaus zu fahren. Keiner von den Passanten in Barcelona hatte gewusst, dass das eigentlich der stadtbekannte Star-Architekt ist, der da regungslos verletzt auf der Straße lag.
Zu seinem 100. Todestag, im Jahr 2026, ist nun die Fertigstellung der Kathedrale geplant!
Also passt auf euch auf und klickt mal auf das Video.

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Fast hätten wir es verpasst!


Wir hatten es uns fest vorgenommen und nun hätten wir unsere Reise nach Kassel fast in den Wind schreiben können. Irgendwie war uns der Endtermin für die “documenta 14” nicht mehr präsent. Als wir im Frühjahr unsere Pläne schmiedeten, dachten wir: ist ja noch jede Menge Zeit, da können wir uns entspannt zurücklehnen. Als dann aber vor vierzehn Tagen die Kinder abgereist waren und ich mich erinnerte: “war nicht doch noch etwas?” Da wäre es fast zu spät gewesen. Also musste  schnell ein Termin bis zum 17. September gefunden werden. Wir einigten uns auf den Dienstag, besorgten Bahntickets und hatten sogar noch etwas Zeit den “60. World Press Photo Contest”, der in der Bahnhofshalle die Siegerfotos präsentierte, zu besuchen.
bty
Dieser Hinweis stimmt schon nachdenklich. Die Fotografen haben nichts anderes getan als unsere Welt im Bild festzuhalten und nun warnt die Tafel davor unseren Kindern diese Welt zu zeigen, jedenfalls nicht in allen Facetten.
…Die Welt ist nicht schön, nein sie ist nicht schön. Schön ist sie nur wenn wir träumen…
(GILBERT BECAUD – Es ist nie zu spät)

Ihr findet die Bilder auch im Netz und könnt euch so ein Urteil bilden (Weltpresse Foto des Jahres).
Unser Regionalexpress stand mittlerweile abfahrtsbereit am Gleis 4 und er sollte auch pünktlich den Bahnhof verlassen. Nicht nur dies, wir erreichten auch ohne Verspätung und entspannt unseren Zielbahnhof Kassel. Das ist ja nicht unbedingt die tägliche Erfahrung mit der Deutschen Bahn.
Nach Ankunft in Kassel-Wilhelmshöhe mussten wir noch den Zug zum Hauptbahnhof benutzen um ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Ob uns unser Ticket zur Benutzung der  KVG Bahn berechtigte, ist uns auch heute noch unklar aber wir gelangten zum Ziel. In wenigen Minuten standen wir dann vor dem wohl bedeutendsten Objekt der documenta 14, dem „Parthenon der Bücher“: ein Mahnmal für die Meinungsfreiheit.
Ich hatte einige Tage vorher versucht im Netz brauchbare Informationen zum Besuch der einzelnen Ausstellungsobjekte zu finden-so eine Art roten Faden der Documenta. Den gab es aber nicht wie ich auch in einigen Publikationen lesen konnte. Ein hilfreiches “App” war auch nicht zu finden. So gingen wir intuitiv immer dahin, wo die größten Menschenansammlungen zu sehen waren.
Der Wetterbericht hatte übrigens unwetterartige Stürme vorhergesagt. Mein “App” zeigte auch eine Sturmwarnung, doch wir wurden von derartigen Unbilden verschont.  Zum Einen war das Wetter besser als prognostiziert und als wirklich heftiger Sturm und Regen für eine halbe Stunde Schlimmes befürchten lies, saßen wir unter einem schützenden Terrassendach zur Mittagspause. Gerne würde ich an dieser Stelle einige nützliche Tipps zum Besten geben. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass heute das Ende der Ausstellung erreicht ist, macht das natürlich keinen Sinn.
In fünf Jahren startet, wenn alles planmäßig verlaufen sollte, die  nächste weltgrößte Ausstellung zeitgenössischer Kunst, wenn diese Schlagzeile nicht zu anderen Überlegungen führen sollte:
…”Die documenta 14 hat ihren Gesamtetat von 37 Millionen Euro überzogen. Das Defizit soll nach Informationen der Zeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ insgesamt 7 Millionen Euro betragen”…
Wie wir aus unserem täglichen Leben wissen, auch der Umgang mit Geld ist eine Kunst!
Ich habe aber viel fotografiert und mit dem kleine Clip kann ich euch einen Eindruck vermitteln wie Heidi und ich die Ausstellung gesehen haben.