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Der Weg ins Kloster


Es gibt ja verschiedene Gründe ins Kloster zu gehen. Bei uns lag es zum Beispiel am Wetter. Normalerweise habe ich um diese Zeit mein erstes Buch im Jahr bereits gelesen. Meist handelt es sich dabei um einen Roman, irgend etwas Schönes um die Seele baumeln zu lassen. Dazu suche ich mir für derartiger Lektüre, ein schattiges Plätzchen im Garten. Doch in diesem Jahr bin ich noch nicht so recht vorangekommen. Die Temperaturen waren so niedrig und häufig wehten auch noch Winde aus Nordost, dass ich erstmals am 10. Mai  bei angenehmen Temperaturen, im Schatten unseres Apfelbaumes, mein bereits begonnenes Buch zur Hand nehmen konnte. Momentan befasse ich mich literarisch mit “Franziskus” von Andreas Englisch.
Ich bleibe aber dabei, es war das Wetter und nicht der derzeitige Papst. Hätte die Sonne uns nur etwas mehr verwöhnt,  wäre ich bereits mit Franziskus durch und hätte vergangenen Sonntag auf der Terrasse gesessen und es mir gut gehen lassen.
davEs war aber kalt und regnerisch und  so musste ein Ersatzplan her.  Da hatte Heidi eine gute Idee! (Sie hat übrigens ausschließlich gute Ideen.)  In einem durch die Stadt herausgegebenen Veranstaltungsplan hatte sie den Hinweis auf ein Galerie-Wochenende im Kartäuserkloster entdeckt. Das ehemalige Kloster ist mittlerweile eine attraktive Wohnanlage und die wenigen historische Räume stehen Besuchern für gewöhnlich nicht offen.
Das sind solche Gelegenheiten, die wir regelrecht suchen. Auf diese Weise bekommt man Dinge zu Gesicht, die aus unterschiedlichen Gründen,  nicht zugänglich sind.
Als wir 11:00 Uhr die Klosterpforte erreichten kam auch Frau Angelika Liebhart, die Galeristin, etwas abgehetzt mit ihrem Fahrrad um die Ecke gebogen. Für uns etwas ungewohnt zu dieser Zeit, bot sie uns ein Gläschen Sekt an und wir führten in der Folge ein nettes Gespräch. Sie zeigte uns die Räume und informierte darüber, dass der Eigentümer plant selbige zu Wohnzwecken umzubauen, was zwar wirtschaftlich sicher sinnvoll aber kulturell ein Verlust darstellen würde.
Als weitere Gäste eintrafen widmeten wir uns den ausgestellten Grafiken von Thomas Ranft, die es uns ja erst ermöglichten, die Räume zu besichtigen.
dav
Warum schreibe ich das nun? Einmal weil schon wieder 14 Tage vergangen sind und zum Anderen wollte ich euch die Idee nahebringen, auf beschriebene oder ähnliche Weise Zugang zu interessanten Räumen zu erhalten, welche für gewöhnlich verschlossen sind oder nur bestimmten Personen  zugänglich.
Also, dann schaut mal; ihr werdet bestimmt fündig.

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Auf Clueso’s Spuren


Thomas Hübners Eltern dürften sich beim hören des Songs “Junge”, ursprünglich von den “Ärzten” und vor kurzer Zeit sehr erfolgreich gecovert von Heino, an sorgenvolle Tage zurück erinnern.
Nun, er hat es Lehrern und Eltern bewiesen.
Man kennt ihn mittlerweile als “Clueso” und hätte es den Film “Fuck ju Göhte” nicht gegeben, läge sein Bekanntheitsgrad möglicherweise noch vor dem des Geheimrates aus Weimar.Zwinkerndes Smiley

Vergangenen Sonnabend begaben wir uns nun auf Spurensuche. Das Wetter ist ja seit mehr als drei Wochen  erbarmungslos schlecht und da schien uns das Jubiläum, 15 Jahre “Zughafen”, eine lohnende Alternative zum Ausflug in die Natur.
Da die Möglichkeit an einer Führung teilzunehmen bestand, konnten wir mal hinter die Kulissen des “Zughafens” schauen.
Patrick, ein äußerst freundlicher, etwas schlaksig daherkommender Typ, der die Anfänge im jahrelang leerstehenden Bürogebäude der Bahn mitgestaltet hat, begrüßt die etwa 15 Gäste, die sich neben vielen anderen für einen Rundgang interessierten. Er stellt sich als Musiker vor, der sein Projekt “LilaBungalow” betreibt.
Sein Bericht von der Umsetzung, der von Clueso und dessen Manager Andreas Welskop entwickelten Idee, hier ein kulturelles Netzwerk zu schaffen, stieß auf lebhaftes Interesse. Er sprach über die Mühen und tausende Stunden Eigenleistung, die kaum vorhandene Förderung und die Genugtuung über das Erreichte.
Gegenwärtig beherbergt das Haus 40 kleinste und kleinere Firmen, die etwa 200 Mitarbeiter beschäftigen. Das geht über Lichtdesign, Siebdruck, Merchandising, Musik, Holzbearbeitung und einiges mehr.
Clueso haben wir hier nicht getroffen. Er hat sich von vielen Dingen getrennt und so heißt sein neues Album folgerichtig “Neuanfang” (über 4,7 Millionen Klicks auf You Tube).
Doch seine Spuren nahmen wir hier überall war. Sein Name wurde auch bei unserem Rundgang immer wieder genannt.
Als wir uns von Patrick verabschiedeten, wünschten wir viel Glück. Sie brauchen für das Anwesen einen neuen Mietvertrag, denn der bestehende läuft zum Jahresende aus. Also drückt auch mal eure Daumen, damit uns solche Kleinode erhalten bleiben.


Macht weiter liebe Zughafencrew, trotz Neuanfang!

15 Jahre Zughafen Erfurt – 21.-23. April 2017 – mit Visual Artist Dirk Rauscher und Lotus Lumina – Musik und Sounddesign von Clueso

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Im Wartesaal zum großen Glück


Es gibt so Sätze wie: „Das also war des Pudels Kern!“ oder „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ In diesem Falle stammen sie, wie manch andere fast sprichwörtlich verwendete Weisheiten aus Goethes “Faust”, was ihr sicher unschwer erkannt habt. Gerne werden sie in Referaten oder öffentlichen Auftritten, wie die uns fast täglich heimsuchenden Talkshows, mehr oder weniger sinnvoll verwendet.
Mir kommt seit Jahren auch ein Vers zu der einen oder anderen Gelegenheit in den Sinn:
…” Im Wartesaal zum großen Glück
Da warten viele, viele Leute
Die warten seit gestern auf das Glück von morgen
Und leben mit Wünschen von übermorgen
Und vergessen, es ist ja noch heute…”

Ich denke, dieses Chanson mit obigem Text erstmals von Hildegard Knef gehört zu haben. Da ich immer, wenn mir die Zeilen in den Sinn kamen eine unglaubliche Aktualität spürte, andererseits aber auch eine erstaunliche Unendlichkeit, als hätten die Menschen schon vor Jahrhunderten diesen Wartesaal aufgesucht, wollte ich es nun doch genauer wissen.
Immerhin lieferte “Google” 4.350 Ergebnisse! Ein untrügliches Zeichen, dass ich nicht der einzige bin, den diese Zeilen interessierten.
Erstaunlich, was ich so alles entdeckte. “Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea” so nannte sich im Jahre 1956 der erste “Eurovision Song Contest” der in Lugano in der Schweiz stattfand.
Ein gewisser Walter Andreas Schwarz  präsentierte dieses Lied als ersten deutschen Beitrag bei diesem, heute zum Superevent mutierten, Gesangswettbewerb. Es gab noch einen zweiten deutschen Teilnehmer, der im Gegensatz zu A. Schwarz  nach seinem Auftritt nicht in der Versenkung verschwand, Freddy Quinn.
Interessant ist, dass nur der Siegertitel von Lys Assia bekannt gegeben wurde. So bleibt es ein Gerücht das A.Schwarz  den zweiten Platz erreichte.  Die Bewertungsunterlagen können keinen Aufschluss mehr geben, denn sie wurden vernichtet.
Für besonders Interessierte die Version von Walter Andreas Schwarz 1956

Zurück zu unserem Ausgangspunkt. Sicher wart ihr am Sonnabend rechtzeitig in dem kleinen Laden der Zigaretten und Zeitungen verkauft. Damit etwas mehr an Einnahmenn hängen bleibt  werden hier auch Lottoscheine angenommen. Deswegen wart ihr wieder dort. Ihr kennt den älteren Herrn, der das Geschäft betreibt schon seit Jahren und er wünscht euch jedes Mal seither Glück. Die Zahlen habt ihr in der langen Zeit einmal geändert, was aber keinen Erfolg brachte. Die Enttäuschung am Sonntag nach der Ziehung wird sich in Grenzen halten. Ihr seid schon daran gewöhnt und habt euch im Wartesaal zum großen Glück fast häuslich eingerichtet.  Die Chance für den Gewinn des Jackpots bei 6 aus 49 liegt bei rund 1 zu 140 Millionen. Wahrscheinlich werdet ihr auch noch den nächsten Ladeninhaber kennenlernen.
Es gibt da ein fast 150 Jahre altes Kampflied der Arbeiter. Da wird eine Erkenntnis in folgenden Textzeilen verarbeitet:
…Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!…
In diesem Sinne eine glückliche Woche. Im Wartesaal zum großen Glück könntet ihr ja mal Frühjahrsputz machen.Zwinkerndes Smiley

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Kein teures Vergnügen


Wer monatlich nur einmal ein kulturelles Ereignis genießen möchte, kommt im Jahr schnell auf 600 oder mehr Euro. Die Kosten für Anfahrt, Parkgebühren und einen kleinen Imbiss sind dabei noch extra zu berappen.
Das muss aber nicht unbedingt so sein.
Susan schenkte uns Karten für die Weimarer Staatskapelle zu Anton Bruckners 8. Sinfonie und die kosteten gerade einmal 6,50€!
Gut, es handelte sich um eine öffentliche Generalprobe. Diese Möglichkeit bieten fast alle renommierten Orchester des Landes an.
Gewiss, es ist schon etwas ungewöhnlich wenn man beim Einlass die Karten vorzeigt und mit guten Morgen begrüßt wird, denn die Veranstaltung begann 11:00 Uhr.
Die Garderobe mussten wir auch nicht aufsuchen um unsere Mäntel abzugeben. Sie ist geschlossen und da nur eine begrenzte Zahl von Karten verkauft werden, sind genügend nicht genutzte Stühle zur Unterbringung selbiger vorhanden.
Apropos Garderobe, weder Anzug noch Krawatte oder Abendkleid sind erforderlich. Auch das Orchester ist gekleidet als wollte man Pilze oder Beeren sammeln.
Wer noch an seiner Karriere bastelt und glaubt dem Oberbürgermeister oder einem der anderen Honoratioren zunicken zu müssen, ist hier falsch. Auch gibt es keine Pause nach dem zweiten Satz, in der man den Chefarzt mal nach einem Termin wegen eines Check-up fragen kann. Auf Catering Service wird hier ebenfalls verzichtet.
Letztlich wird auch der Chefdirigent durch den ersten Kapellmeister vertreten.
Wen dies alles nicht stört, kann ein derartiges Musikereignis durchaus genießen. Mit etwas Phantasie und geschlossenen Augen könnt Ihr euch alles vorgaukeln was hier weggelassen wurde.
Da die zwanzig Minuten Pause wegfielen und Beifall ist bei der Generalprobe ebenfalls verpönt, habt ihr nun mit der gewonnen Zeit und dem gesparten Geld die Möglichkeit, eine kleine Mahlzeit zu euch zu nehmen.
Da kommen natürlich nicht so sehr viele Lokale in Frage, denn so groß war die Ersparnis ja nun auch nicht! Deshalb mein ganz uneigennütziger Tipp!
Geht, wenn ihr in Weimar sein solltet, zum Frauenplan. Neben Goethes Wohnhaus und einer Reihe anderer Lokale findet ihr dort die “Altweimarische Bierstube”. Eine absolute Empfehlung für Leute mit kleinem Budget und Appetit auf rustikale Speisen.

Nur mal so zur Dokumentation, einschließlich Trinkgeld, satt und zufrieden:17,00€ pro Person!

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Die Blechtrommel (n)


Als 1979, die Verfilmung des G.Grass Romans, “Die Blechtrommel”  durch Volker Schlöndorff die Kinoleinwände erreichte, begann für uns eine regelrechte Aversion gegen dieses eigentlich harmlose Kinderspielzeug.
Heidi hat den Film, trotz häufiger Fernsehpräsenz, nie zu Ende gesehen.
Die Großeltern wurden angehalten von derartigen Geburtstagsgeschenken für ihre Enkel Abstand zu nehmen. Denn die Gefahr, dass nicht nur die Ruhe gestört werde, sondern auch der Familienfrieden war absehbar.
Wer jetzt nicht im Bilde ist, von was ich hier gerade rede, zur Veranschaulichung eine kleiner Filmausschnitt:


Nun sind ja fast vierzig Jahre ins Land gezogen. Das Leben ist schriller und lauter geworden und man selbst gelassener.
Das bedeutet nicht, dass wir nun einer Bergmannskapelle Beifall zollen oder den “Großen Zapfenstreich” mögen, doch wir sind in den letzten zwei, drei Jahren mehrfach durch Auftritte von Trommlern, zu Volksfesten hier in der Stadt, hellhörig geworden.
Trommeln kann auch ganz anders klingen als bei militärischen Brimborien oder gar in Schlöndorffs Film, stellten wir fest.
Also gingen wir der Frage nach, wer sind die überhaupt und gibt es auch Auftritte die länger als 10 bis 15 Minuten dauern.
Das hatten wir schnell herausgefunden und Heidi besorgte vor einem halben Jahr Karten für einen Auftritt von “Typanus Forte” in der zweit größten Halle, die hier für derartige Veranstaltungen verfügbar ist.
Wir hätten nur zehn Minuten zu Fuß gebraucht, um den Veranstaltungsort zu erreichen! Daraus wurde aber leider nichts.
Die gerade verordnete “Willkommenskultur” stand dem entgegen. Das ist bis heute nicht anders.
Für unser kulturelles Großereignis wurde aber ein Ausweichtermin am 08.Januar in der Messehalle gefunden. Die liegt natürlich nicht vor der Haustür, ist aber gut erreichbar.
Wir wussten nicht so ganz genau, was uns an diesem Freitag erwartete und waren um so gespannter auf das, was zwei Stunden die Zuschauer in ihren Bann ziehen sollte.
Von Teilen der Familie wurde mir schon die Vernachlässigung meines elterlichen Bildungsauftrages vorgeworfen! Man konnte mit meinem Post auf Whatsapp nichts anfangen und glaubte nicht mehr “hip” genug zu sein.
Deshalb hier ein Versuch zu erklären, wer und was “Tympanus Forte” ist:
Ein brennendes Schloss, Feuersäulen und Rauch steigen zur Hallendecke. Eine wilde ekstatische Show beginnt im gewaltigem Dröhnen von 22 Trommeln.
Nichts ist heilig! Beethovens 5. und Ravels “Bolero” sowie “Smoke on the Water” von Deep Purple wurden regelrecht malträtiert! Als Zugabe noch von Ennino Morricone “Spiel mir das Lied vom Tod”
Mit etwas verruchter Fantasie solltet ihr nun eine kleine Vorstellung von dem haben, was uns da geboten wurde. ( auf jeden Fall live erleben!)
Wie ihr seht, gibt es nicht nur unsere Version auf Schlöndorffs Film zu reagieren.Zwinkerndes Smiley