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Eine Überdosis Kultur


Die letzten vierzehn Tage waren geprägt durch eine Reihe von Veranstaltungen, denen Heidi und ich unser Eintrittsgeld in reichlichem Maße zukommen ließen. Wir besuchten die Ballettaufführung „Peer Gynt“ des Staatstheaters Braunschweig. Seit vielen Jahren hatten wir schon keine Ballettaufführung erlebt.
Des weiteren besuchten wir zwei Buchlesungen. Das heißt, eigentlich war die erstere Lesung nicht das, was von einer Buchlesung so allgemein erwartet wird. Sie fand vor 4000 Zuschauern in der Messehalle statt. Es gab einen extra komponierten Soundtreck zum Buch, so eine Art „Spiel mir das Lied vom Tod“ aber eben nicht von Ennio Morricone sondern Leon Gurvitch und nicht zuletzt wurden aufwändige Videoprojektionen gezeigt. So verlieh Herr Fitzek seiner Lesung auch den Titel: „Soundtrack-Leseshows 2019„. Eigentlich ging es aber nur um seinen neuen Thriller „Das Geschenk“. Es war durchaus interessant und sehens- wie hörenswert, doch die zweite Lesung im überschaubaren Kreis von etwa 50 Besuchern und einem Autor zum Anfassen liegt uns doch etwas mehr.
Günter Bayer las aus seinem Büchlein „Der kleine Erfurter erzählt“ liebenswerte Anekdoten aus seiner Kindheit. Diese trug er im ganz eigenen Dialekt, wie er nördlich der Schillerstraße in den 50 ger bis 70 ger Jahren insbesondere so um die Krämerbrücke herum zu hören war. Hier war er aufgewachsen und ging zur Schule. Er nannte die Gegend die Bronx von Erfurt. Für uns als Kinder war es das Blechbüchsenviertel. Dort lebten vorwiegend Handwerker und kleine Gewerbetreibende. Für akademische Berufe war hier kein Platz. So war ihm auch der Beruf des Maurers vorbehalten. Durch einen Unfall musste er sich neu orientieren und erinnerte sich an seinen Spaß beim Zeichnen und Malen, wie dem Geschichten erzählen. So ist sein Büchlein auch nett illustriert.

Da gibt es nun seit einigen Tagen noch ein drittes Buch. Es stammt ebenfalls von einem Menschen, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs. Heute zählt er mit seinen 3800 Drogeriemärkten mit 32.000 Mitarbeitern zu den 100 vermögendsten Deutschen (Zahlenangaben ohne Gewähr).
Genau, es ist der Rossmann Dirk, von dem ich hier spreche.
Er ist ja gerne mal als Gast in einer Talkshow eingeladen. Mal bewirbt er ein autobiografisches Buch oder seine Firma und schon mal sich selbst.
Diesmal kam es besonders dicke!
So round about 500.000€ berappte Herr Rossmann für ein Geschenk an Frau Maischbergers Fernsehzuschauer. 25.000 Exemplare von „Wir sind das Klima“ verschenkte er über seine Webseite an die Zuschauer. Das führte zum Zusammenbruch seiner Firmenwebseite.
Da darf ich es doch als einen glücklichen Zufall betrachten, als vor wenigen Tagen ein Päckchen mit genannten Inhalt von „DHL“ an uns übergeben wurde.

Noch kann ich nicht viel zum Inhalt sagen, da ich erst dreißig Seiten gelesen habe. Da Herr Rossmann aber so voller Begeisterung war und mit seiner Aktion einen wichtigen Schritt zur Rettung des Klimas vollzog, wie er hofft, bemühe ich mich um zügige Bewältigung des Stoffes, um dann dieses Buch an interessierte Leser weiter zu geben.
Bis dahin besorgt schon mal klimaneutrale Geschenke für eure Lieben!
Jonathan Safran Foer „Wir sind das Klima“

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Paulina war die Siegerin!


Lisa Eckhart gewann, als erst zweite Frau, die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften und heute tourt sie als Kabarettistin durch den deutschsprachigen Raum und hat auch eine beachtliche Präsenz im Fernsehen.
Paulina Behrendt aus Hamburg ist neue deutschsprachige U20 Poetry Slam Meisterin geworden. Welchen Weg sie nun nehmen wird, bleibt abzuwarten. Die besten Slammer*innen (das schreibt man glaube ich jetzt so) aus der Schweiz, Österreich und Deutschland traten an, um einen der wichtigsten Titel im Poetry Slam zu ergattern. Innerhalb von 4 Tagen und 11 Veranstaltungen rappten, dichteten und performten die jungen Poeten*innen im Alter von 16 bis 20 Jahren über 3 Runden in ganz Erfurt gegeneinander.
Im proppenvollen historischen Kaisersaal zu Erfurt herrschte beste Stimmung und die Juroren, aus Zuschauern bestehend, die nicht immer die Meinung des Publikums zum Ausdruck brachten, lagen aber bei der Siegerin genau richtig, was durch den frenetischen Beifall unterstrichen wurde.
Die Themen, welche die Vorträge bestimmten, waren durchaus vielfältig, teils recht persönlich auch wenn sie humorvoll daherkamen, doch stets mit einem ernsthaften Hintergrund.
Die hiesige Presse hatte das Ereignis offenkundig nicht war genommen. Das verwundert nicht sonderlich, befindet sich der ehemalige Kultur Redakteur bereits im Ruhestand und verdient sich sonnabendlich durch eine Kolumne noch ein kleines Zubrot.
Damit ihr mal einen kleine Eindruck von der Siegerin gewinnen könnt, das folgende Video, welches aber nicht dem Vortrag im Finale entspricht.

Da wir nun schon einmal im Kaisersaal sind, lade ich euch gerne zu einem 360° Rundgang ein. Gönnt euch einige Minuten. Es lohnt sich wirklich:
Kaisersaal Erfurt Rundgang

Kaisersaal Erfurt
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Spill the Beans


Wir lieben ja die Kleinkunstbühnen hier in der Stadt und davon gibt es einige. Nur zehn Minuten von unserem zu Hause entfernt, erfreut sich das „Franz Mehlhose“ großer Beliebtheit. Da wir bei unserem letzten Besuch einen Gutschein gewonnen hatten, suchten wir schon eine Weile nach einer passenden Veranstaltung, um selbigen einzulösen. „Poetry-Slam“ stand auf dem Plan und wir hofften auf einen unterhaltsamen Abend. Was aber ein Dichterwettstreit, so etwa die Übersetzung, mit verschütteten Bohnen (Spill the Beans) zu tuen hat, erschloss sich uns nicht.
Sicher seid ihr da besser als ich, aber dank „Google“ ist die Wissenslücke nun geschlossen.
Wir hatten Evchen und Randolf noch überzeugt mit uns zu kommen und so war die Veranstaltung nicht nur ausverkauft, sondern durch unsere Teilnahme stieg das Durchschnittsalter der Besucher von zwei Jahre bis zur Masterarbeit auf drei Jahre nach Masterabschluss!
Diese Veranstaltungsform verbreitete sich ausgehend von Chicago in den 90er Jahren über den gesamten Globus und generierte im deutschsprachigem Raum eine zahlreiche Anhängerschaft.
Es gab drei Paarungen und eine Publikumsjury bewertete die maximal sechs Minuten dauernden Beiträge, ähnlich wie beim Eiskunstlaufen. Die drei siegreichen Teilnehmer traten nach der Pause zum Finale an.
Im „Mehlhose“ treten weder „A- B-oder C-Promis“ auf. Die Teilnehmer reisten zum Beispiel mit „FlixBus“ an. Die Gagen sind nicht üppig aber die Eintrittspreise auch nicht.
Als Gast erlebten wir übrigens Falk, Musikkabarettist und Liedermacher aus Berlin.
Eine Hommage an die deutsche Sprache im Lied. (Video)

Solltet ihr einmal hier nach Erfurt kommen und ihr habt den Abend noch nicht total verplant, im „Mehlhose“ werdet ihr auch satt und könnt natürlich durch die nette Bedienung einen coolen Drink serviert bekommen. Vielleicht lernt ihr nette Leute kennen und habt Glück ein Kulturprogramm zu erleben.
Das Lokal ist vom Zentrum der Stadt gut zu Fuß erreichbar.
Löberstraße 12, 99084 Erfurt
Noch ein Tipp: Poetry Slam – die deutschsprachigen Meisterschaften U2019 finden in Erfurt statt! ( 2. bis 5. Oktober 2019 )
Falls ihr noch keine rechte Vorstellung habt was euch bei einem „Poetry-Slam“ so erwartet, dann schaut mal den nächste Clip an. Luise Komma Klar war die Gewinnerin an diesem Abend!
In diesem Sinne, spill the Beans oder leg mal los, erzähl mal, wie der Deutsche sagen würde!

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never ending silvesterparty


Sie ist noch nicht vorbei, denn Oscar und Fritz fliegen erst morgen zurück nach Spanien.
Bevor sie Neujahr anreisten, besuchten wir am Silvesterabend die „Himmelspforte“ in der Marktstraße. Es handelt sich um eine der zahlreichen Kleinkunstbühnen hier in der Stadt. Das war eine gute Vorbereitung auf das folgende Kinderprogramm.
Es war laut, es war schrill, ja halt Klamauk von der witzigen aber durchaus sehens- und hörenswerten Sorte.
Winnetou – Blutsbrüder des Baumarkts„, so die sinnreiche Erklärung der beiden Darsteller für das auf der Bühne Dargebotene. Besser kann ich es nicht so recht erklären. Falls ihr in diesem Jahr nach Erfurt kommen solltet, im Hofe des Angermuseums sind einige Vorstellungen geplant.

Mehr war mit Handy und schlechtem Licht nicht möglich!
Winterleuchten auf der „ega“ mit Oscar und Fritz.

Das sind nun die beiden Protagonisten die, für die anhaltende Silvesterstimmung hier im Hause sorgen. Mit ihnen, Silke, Susan und Heidi waren wir bei ungemütlichem Wetter gestern unterwegs um das Spektakel aus Licht und Farbe zu bestaunen.
Übrigens wurde ich Weihnachten reichlich beschenkt! Beispielsweise erhielt ich ein grandioses Buch! Würde ich jeden Tag ein Gramm darin lese, könnte ich es nach rund 11,5 Jahren aus der Hand legen! Falls ihr mehr wissen möchtet: „Beyond the Wall“!
Gute Vorsätze für das bereits begonnene Jahr habe ich wie immer nicht! Meine Familie weis was gut für mich ist! 😉
Nun Schluss! Es drängt die Zeit! Ich werde als Begleitung zum Eishockey benötigt!

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Napoleon, Paganini, Bebel und H. Pönitz


Heidi und ich waren wegen letzterem im Kaisersaal. Hartmut Pönitz führte uns zwei Stunden unterhaltsam über den Jacobsweg, von St. Jean bis nach Santiago de Compostela. Es gibt seit Jahren Vorträge von Fotografen und Weltenbummlern unter dem Level “Blickpunkt Erde”. Wir haben sie häufig und gerne besucht aber irgendwie hat es die letzten zwei Jahre nie richtig geklappt. Nun aber haben wir einen neuen Anfang gemacht!
Die vielfältigen Veranstaltungen in diesem Haus sind nur ein Grund selbiges zu besuchen. Schon im Entree begrüßt einen dieser Herr,

Kaiser Napoleon Bonaparte. Ihm verdankt das Gebäude auch seinen heutigen Namen: “Kaisersaal”.
1808 fand hier auf Einladung Napoleons ein europäischer Fürstenkongress statt. Das war so eine Art G8-Gipfel. Damals noch unter Beteiligung Russlands, vertreten durch Zar Alexander I.
”Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini gastierte im Haus, auch die Pianistin Clara Schumann so wie Franz Liszt feierten hier umjubelte Auftritte.
1891 fand der Erfurter Parteitag unter Leitung von August Bebel statt. Er gehört zu den wichtigsten Programmparteitagen der SPD.
Heidi und ich philosophierten darüber, welchem Ereignis wir am liebsten beigewohnt hätten. Napoleon war Heidis erste Wahl. Das ist wohl seiner Größe geschuldet. Sie hätte ihm auf Augenhöhe begegnen könnenZwinkerndes Smiley
Mein Favorit hingegen war Paganini.
Naja, mit der Sozialdemokratie hatten wir es beide nicht so recht. Mit ihren Programmen ist es wie mit der Partei im Ganzen –  “Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.”
Nicht nur wegen der Geschichte empfehle ich das Haus. Es ist auch wunderschön! Kauft euch, egal für welche Veranstaltung, ein Ticket und überzeugt euch selbst. Virtueller Rundgang (sehr sehenswert)